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Im deutschen Reich · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. 406

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
I. Der deutsche Jude in der Armee
Date
1913-09-01
Page
406 (sequence 22)
Language
German
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406 Im deutscher: Reich. kann, der einer ganz anderen Kultur gemeinschast ängehört. Dann wird er sagen, und wenn er vorher der eifrigste Zionist gewesen wäre: um alles in der Welt, gebt mir doch einmal einen Deutschen, mit dem ich wieder einmal deutsch sprechen kann, daß ich etwas höre von meiner Heimat, daß ich mich mit einem Menschen anssprechen kann, mit dem ich mich verwandt fühle. Meine Damen und Herren? Die Z io n isten sind in der Regel Zionisten aus Verzweiflung. Wen n w i r d e n A n t i s e m i t i s m u s nicht gehabt hätten d a n n hätten wir in Deutschland keine Zionisten. '(Sehr richtig!) Ich weiß, daß mir in der Diskussion von einem Führer der Zionisten einmal gesagt Worden ist: auch wenn es gar keinen Antisemitismus gäbe, wäre deswegen der Zionismus doch berechtigt. Von seinem -Standpunkt theoretisch richtig; aber da wäre der Zionismus nicht. Würde es denn wirklich einem deutschen Juden, .wenn nirgendwo eine Kränkung unserer Rechte erfolgen würde, einfallen, auf die hirnverbrannte Idee zu kommen, daß wir anderer Nationalität sind, als die Deutschen? Nun sagen die Zionisten: ja, aber die Gegner sagen doch selber, daß ihr anderer Nationalität seid. Meine Damen und Herren! Die Antisemiten können sagen, was sie wollen, und die Leute rechts und links von den Antisemiten mögen sagen, was sie wollen, sie rauben mir mein Nationalgefühl nicht. Deswegen habe ich mich über 'die Wendung des Herrn Or. Brünn, daß er kein deutsches Nationalgefühl habe, gar nicht so sehr anfgeregt. Wenn er sn Dent'fchland geboren ist, wenn er einer deutschen Familie ängehört, hat er sein deutsches Nationalgefühl doch; das ist eben etwas Angeborenes, das kann man nicht wegstreiten, das kann auch kern Zionist ablegen, wie man ein Kleid aiblegt; es ist eben da als etwas Vorhandenes nnd Dauerndes. And dann wollen wir den Zionisten'doch noch eines sagen. Glauben sie denn wirkliche, daß ein jüdisches N a t i o n a l g e f ü h t geschaffen w e r d e n ka n n? N a t i o n a l g efü h k e , d i e l a s s en s i ch n i ch t machen. Es gibt sehr gute zionistische Redner, und ich habe volles Verständnis dafür, daß man einer guten Rede lauscht und sich dafür begeistert, aber das bringen sie alle miteinander nicht fertig, daß sie das Nationalgefühl der Menschen ändern. Aber nun die andere Frage. Warum wenden wir uns gegen die Zionisten soweit sie das d e n t s ch e Ratio n a l g e f ü h l der deutschen Juden bestreiten? Ich habe schon einmal im Kampf gegen die Zionisten gestanden, jals Student, als von zionistischer Seite der Versuch gemacht wurde, unsere Verbindungen im K. E. in zionistisches Fahrwasser: zu bringen, weil ich das für eine gefährliche Sache hielt und der Meinung war, daß diese Verbindungen dadurch auf Abwege geraten. Als ich nicht mehr Student war, stand ich der ganzen Frage sehr gleichgültig gegenüber; ich habe gesagt: laßt den Zionisten ihren Glauben, gefährlich sind sie schließlich nicht, und sie schaffen auch etwas Gutes; sie haben immer geholfen, insbesondere in der jüdischen Jugend, jüdisches Selbstbewußtsein zu schaffen. — Nicht sie allein; andere haben auch mitgearbeitet; sie haben aber mitgeholsen. und das war gut. Aber als sie dann in dieser schroffen, 'übertriebenen Weise sich mitten hineingestellt Haben in die deutsche VefsentUchkeit.. als die Kunstwort-Diskussion kam, als gesagt wurde: ja, die anderen haben ja recht, wir sind etwas anderes, wir sind etwas Fremdes, wir gehören nicht zur deutschen Nation, da habe 'ich mir allerdings gesagt, jetzt fängt die Sache an ungemein gefährlich zu werden. Denn ein taktisch intb klug denkender Mensch

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