Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- I. Der deutsche Jude in der Armee
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 405 (sequence 21)
- Language
- German
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Der Deutsche Jude in der Armee. 405 nun aber der starke Druck dazu kommt, wie er aus uns lastete, dann bildet sich ein ganz besonders scharfes Gemeinsamkeitsgef'ühl aus. Wenn weiter hinzukommt die Tatsache, daß wir miteinander lebten die Jahrhunderte hindurch, angewiesen, auf ganz bestimmte Berufe, so daß ein ähnliches, ein gleiches Milieu, sich heransgebildet hat, dann ist es wieder sehr begreiflich, wenn dies Gemeinsamkeitsgesühl besonders stark wurde. Ich gebe ohne weiteres zu: W i r I rr/d e n s i nd n i ch t nur eine Religionsgemeinschaft: es gibt manchen, der nicht auf dem Boden der jüdischen Religion steht und sich durchaus als Jude fühlt, sehr wohl weiß, haß er Jude ist und es als seine Pflicht hält, im Judentum zu bleiben, für die Rechte und Interessen des Judentums zu kämpfen. Also wir sind nicht nur eine Religionsgemeinschaft. Ob wir durch die Jahrhunderte hindurch zu halten sind, losgelöst von der Religion, ist eine andere und schwere Frage. Aber jedenfalls sind wir heute nicht nur eine Religionsgemeinschaft : Wir sind eine h i st o r i s ch entstandene (Bemciiu s ch aft einer ganz bestimmten sozialen Struktur. Wissen Sie, mit wem am leichtesten, um. das begreiflich zu machen, die deutschen Juden zu vergleichen sind? Nicht aber, meine Damen und Herren, daß Sie mich, für einen hochmütiger!, eingebildeten Menschen halten, aber am besten 'ist der Vergleich mit dem deutschen .Adel. Auch er ist 'in seiner Struktur eine historisch gewordene Gemeinschaft ganz bestimmter sozialer Art, geprägt durch die Jahrhunderte hindurch, in ähnlichen, gleichen Verusenckätig, verwandt und verschwägert. Man kann heiter werden und lustig und kann sagen, es sei 'auch in den kleinen Dingen des Lebems sehr viel ähnlich bei den Juden und bei dem deutschen Adel. Meinen Sie, wenn zwei vom deutschen Adel sich treffen, da sprechen sie etwas anderes, wie wenn zwei deutsche Juden, die sich nicht kennen, sich treffen. Da sagt der eine zum anderen: wie ist Ihr Rame? Sagen Sie einmal, .da stand doch einmal einer dieses Ramens bei den Garde-Alanen? Ist das ein Verwandter von Ihnen? und der sagt: „Ja, das ist ein Vetter gewesen/' „Dann sind wir eigentlich verwandt miteinander/' Wir Iudem wir sprechen nicht davon daß wir einen bei den Garde-Alanen stehen hätten; aber im Kern ist das Gespräch/bei uns ganz ähnlich; wir haben, auch immer sehr schnell' irgendwelche Beziehungen heraus, weil wir eben eine ganz bestimmt geartete soziale Struktur haben. Aber es soll 'sich doch ja keiner einbilden, daß wir etwa dies Gemeinsamkeitsgesühl in derselben Stärke, wie wir es den deutschen Juden gegenüber haben, auch haben den Juden im Beuren gegenüber. Gewiß, es änLeressiert mich auch, etwas zu lesen von den Juden im Perneu, und wenn es ihnen schlecht geht, will ich ihnen auch gern helfen, und zwar nicht nur ans rein menschlichen Erwägungen, sondern deswegen, - weil ich das Gefühl habe: Auch die leiden darunter und werden gequält, weil sie meiner Religionsgemeinschaft 'angehören. Aber will denn wirklich ernsthaft ein Zionist "privatim, nicht 'nur in der Diskussion behaupten, das; er nrit' den. Juden im Bemeu sich enger verbunden fühle, als mit deutschen Christen? Wenn er das behaupten würde, dann würde ich für ihn einen bösartigen Wunsch haben; er 'soll einmal lange Zeit im Ausland leben, in irgendeiner Gegend, wo es keine Deutschen gibt, wo er durch Jahre hindurch kein deutsches Wort, kein deutsches 'Lied hört, und dann soll er vor die Wahl gestellt werden, wen er jetzt lieber begrüßen will, den Deutschen aus seiner Heimat, oder den Juden irgendeiner fremden Rationalität, mit dem er nicht 'sprechen kann, mit dem er fick) nicht verständigen