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Im deutschen Reich · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. 403

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
I. Der deutsche Jude in der Armee
Date
1913-09-01
Page
403 (sequence 19)
Language
German
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Der deutsche Jude in der Armee. 403 die Zionisten sind, — ich weiß mich von jeder Leidenschaftlichkeit ihnen gegenüber fern —, darum bemüht habe, der mir eine Definition des jüdischen Nationalgesühls hatte geben können. Ich will nicht einmal eine Definition, sondern nur in ruhigen, sachlichen Worten eine Erklärung, worin das jüdische Nationalgefühl besteht. Nun hat Herr Dr. Brünn gesagt, das Nationalgefühl ganz allgemein irgendeiner Nationalität sei das lebendige Bewußtsein einer gemeinsamen Abstammung, das Zusammengehörigkeitsgefühl und der Glaube an eine gemeinsame Zukunft. Meine Damen und Herren, wenn die Definition stimmt, dann g i b t e s keine deutsche Nation mehr und dann gibt es kein deutsches N at i o n a l g efü h l mehr. Denn ein lebendiges Bewußtsein einer gemeinsamen Abstammung können die Deutschen nicht haben, weil sie keine gemeinsame Abstammung besitzen. 'Ich denke dabei nicht in erster 'Linie an die Polen oder etwa die Lothringer oder Dänen, von denen er sprach; ich denke an die Deutschen, die in jeder Beziehung als Deutsche angesprochen werden und die sich durchaus als Deutsche fühlen. Die sind ganz verschiedenen Blutes. Die Leute, die in den Gegenden weiter östlich von Berlin wohnen, Haben völlig anderes Blut als z. V. die Leute, die bei uns in Baden sitzen; bei jenen isst slawisches Blut in außerordentlicher Menge vorhanden; bei uns im Süden, sagen wir mal in Südbaden, alemannisches Blut,, vermischt mit keltischem und fränkischem Blut; im Osten wohnen Menschen ganz anderer Abstammung. And trotzdem sind sie alle miteinander Deutsche und haben ihr deutsches Nationalgefühh Will nun wirklich etwa Herr Di*. Brünn oder irgendein Zionist so weit gehen in seiner Theorie, daß er Deutschland als Nation bestreitet, daß 'er die Existenz 'des deutschen Nationalgesühls bestreitet, weil keine gemeinsame Abstammung vorhanden ist? Herr Di*. Brünn sagte weiter, das gebe er allerdings zu, daß eine gemeinsame K u l t it r unter den Juden nxfyt v o r b'a nden sei. Nun will mir aber scheinen als ob das das Wesentliche für den Begriff der Nationalität sei. Die K u l t ü r g e m e i n s ch a f t macht die Na- 11 o rt a li ta t aus, die Sprache macht die Nationalität aus und die Liebe zum Lande, in dem man lebt, das schafft den Nationalbegriff und das Nationalgefühl. Darüber, meine sich, war noch nie irgendein Streit. Ich gebe zu, man kann streiten über die eine ober andere volkswirtschaftliche, staatsrechtliche oder ökonomische Definition, wie man sie formulieren will. Aber das sagt uns doch unser gesunder Sinn, warum wir deu Franzosen als Franzosen ansprechen, den Engländer als Engländer, den Italiener als Italiener. Wir wissen, daß es lediglich die Knltnrgemeinschaft, die Sprache und das Land ist, was die Nation macht. And wenn in diesem. Sinne, in diesem allgemein gebräuchlichem Sinne der Versuch unternommen wird, uns unser Nationalgefühl abzusprechen, so begibt man sich eben durchaus aus einen Irrweg. Herr Dr. Brünn wies darauf hin, daß es Polen gibt, die polnisch-national fühlen und die trotzdem ihre deutsche Vaterlandsliebe betonen, und daß es Lothringer gibt, die sich ebenso als Deutsche fühlen und trotzdem französisch sprechen, und die wie der Pole einer anderen Knlturgemeinschaft angehören. Ja, meine Damen und Herren, ich bin der Meinung, daß vielleicht. etwas mehr nationale Toleranz sin Deutschland durchaus zweckmäßig wäre, den Polen, 'den Lothringern, den Dänen gegenüber. Ich gebe auch zu, daß ein Pole, der wirklich Deutscher sein will, obwohl er mit Liebe an seiner Sprache, seiner Kultur und seiner Geschichte hängt, sehr wohl ein

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