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Im deutschen Reich · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. 397

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
I. Der deutsche Jude in der Armee
Date
1913-09-01
Page
397 (sequence 13)
Language
German
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Der deutsche Jude in der Armee. 397 wir den getauften Inden besser behandeln als den ungetansten, und sie wurden nach einer weiteren kurzen Aeberlegung zu der Erkenntnis kommen müssen, daß den ohne Aeberzeugung getauften Juden unser Staatswesen nicht ertragen kann, daß es aber in dem ungetansten Juden, der seine Charakterstärke bewiesen Hat, einen sehr wertvollen Beamten und einen guten und brauchbaren Offizier finden wird. (Bravo!) Nun wird gelegentlich gesagt: der Jude, der sich taufen läßt, steht ja religiös nicht mehr auf dem Boden des Judentums; warum soll er also nicht aus dem Judentum austreten? Meine Damen und Herren! Daraus, daß er aus dem Judentum austritt, leite ich den Vorwurf der Charakterlosigkeit nicht ab. Ls ist mir noch nie eingefallen, einem Menschen, der sich für freireligiös erklärt, den Vorwurf der Charakterlosigkeit zu machen. Aber, wenn man die Taufe, die unfern christlichen Mitbürgern ein heiliger Akt ist, ohne innere Neberzeugung benutzt, (um irgendwelche Vorteile einzuhandeln, wenn man in feierlicher Form eine Lüge gusspricht, um einen Vorteil zu erreichen, dann bleibt das, man marz die Dinge so milde beurteilen wie man will, immer eine Handlung, die ein Mensch, der auf seine eigene Würde bedacht ist und Verständnis hat für seine Würde, nicht begehen kann und nicht begehen darf. (Bravo!) Nun meinen manche, man könne die Sache dadurch vielleicht etwas schmackhafter machen, daß man sich nicht selbst taufen läßt, sondern die Kind er. Man sagt, die Kinder wissen ja von all den Dingen nichts; die Hauptsache ist doch nur, daß man die Kinder überhaupt irgendeiner Neligionsgemeinschaft zusührt. Nun werden wir zunächst sagen: cs ist in der Welt nicht gebräuchlich, daß man die Kinder einer anderen Religionsgemeinschaft zuführt als der der Eltern. Wenn den Eltern wirklich so wenig an der eigenen Neligionsgemeinschaft liegt, dann sollen sie ihre Kinder keiner Neligionsgemeinschaft zuführen; aber die Kinder einer Religion zuzuführen, an die sie nicht glauben, um irgendwelcher Vorteile für die Kinder willen, bleibt eine böse Sache. Dann wird gelegentlich noch hinzugesetzt: wir wollen doch unseren Kindern das Leben so leicht und so angenehm wie möglich machen; wir wollen ihnen alle die Schwierigkeiten aus dem Wege schaffen, die uns entgegengestanden sind. Warum Kinder und Enkel und Urenkel leiden lassen unter dem alten Vorurteil? Meine Damen und Herren! Das ist allerdings — lassen Sie mich offen sprechen — vielleicht ein echt, jüdisches Argument, aber trotzdem ein sehr falsches. Wo st e h t denn geschrieben, d a ß wir unseren Kindern das Leben so leicht wie möglich machen sollen? Wo steht denn geschrieben, daß. wir wertvolle 'Menschen aus unseren Kindern schaffen, wenn wir ihnen Kinderraufen.

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