Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- I. Der deutsche Jude in der Armee
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 396 (sequence 12)
- Language
- German
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396 Im deutschen Reich. Stellung zu den Konverriten. eine Prämie setzt Huf die Charakterlosigkeit. (Lebhafte Zustimmung.) Das darf der Staat nicht tun; das kann er auf die Dauer nicht tun; denn schließlich ist der Staat doch nicht nur geschaffen und gegründet, damit wir in Sicherheit leben können, nicht nur, damit irgendwelche Maßnahmen der Bolkswohlfahrt .getroffen werden; es sollen doch im Staate auch die Moral, das Recht und die gesunden Anschauungen gefördert werden. Gibt sich ein Staat nicht selber preis, der in dieser Weise den Charakterlosen bevorzugt und den Charakterstarken zurücksetzt? (Sehr richtig und Bravo!). Ich weist, daß diese Anschauung in vielen christlichen Kreisen noch nicht ganz verstanden wird. Meine Damen und Herren, sie wird auch nicht in allen liberalen Kreisen verstanden, seien wir uns darüber ganz klar, und zwar wird sie vielfach deswegen nicht verstanden, weil man die ganze Frage der Judentaufen und unsere Stellung dazu auf die einfache Formel der religiösen Toleranz bringen will. Der Liberalismus hat eine seiner starken Grundlagen in der religiösen Duldsamkeit, der religiösen Toleranz,-'und es ist wahr, daß der, der religiös intolerant ist, die großen Grundlagen des Liberalismus und der Demokratie überhaupt nicht begriffen hat. Aber die Beurteilung getaufter Juden hat doch mit der Frage der religiösen Toleranz :in der Regel nid)t§ zu tun. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, daß ein religiös tief -innerlicher Mensch schwere Kämpfe auf religiösem Gebiet durchgemacht' hat, und daß er in diesen schweren Kämpfen zu dem Ergebnis gekommen ist, daß die Religion, in der er nicht geboren wurde, die bessere und die richtigere sei; wenn ein Jude aus diesen Gründen religiöser Ileberzeugung zum Christentum'Übertritt, so werden wir ihn selbstverständlich achten und ehren, wie wir jeder religiösen Anschauung Achtung und Wertschätzung 'entgegenbringen. Ilm diese Leute handelt es sich nicht. Es handelt sich um diejenigen, die nicht auf dem Boden des Christentums stehen und sich trotzdem taufen lassen. And da mag mir einer sagen was er will, ich stehe auf dem Standpunkt, wir erweisen dem Staat einen Dienst damit, wenn wir immer und immer wieder auf diese Wunde Hinweisen, wenn wir immer und immer wieder erklären, daß, der, der sich Lausen läßt um irgendwelcher gesellschaftlicher oder materieller Vorteile willen, ein charakterloser Mensch ist (Sehr richtig!), daß er gerade mit der Taufe, die nicht aus innerer Ileberzeugung erfolgt -ist, bewiesen hat, daß er die Qualifikation nicht besitzt, die der Beamte und der Offizier in einem gesunden StaaLswesen haben soll. (Lebhafter Beifall.) Ich meine, es wäre nur eine einfache Ileberlegung dieser Frage notwendig; es müßten die maßgebenden Kreise nur einmal darüber Nachdenken, so müßten sie mit uns sagen: das geht ganz gewiß nicht, daß