Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- I. Der deutsche Jude in der Armee
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 395 (sequence 11)
- Language
- German
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Dcr deutsche Jude in der Armee. r,95 alten Anschauungen; sie, die auch noch auf vielen anderen Gebieten die wirtschaftliche Entwicklung nicht sieht oder nicht sehen will, begreift nicht recht, daß auch hier eine wirtschaftliche Entwicklung eingesetzt hat, nntv daß wir mit gutem Recht sagen dürfen, daß auch auf dem Gebiete der Arbeit die Juden außerordentlich wertvolle Bürger des deutschen Staates geworden sind. Vielleicht begreifen sie zum Teil aber auch die Entwicklung, und die Entwicklung selber gefällt ihnen nicht. In der Stellung den Juden gegenüber kommt zum Ausdruck die ganze Abneigung des echten Konservativen gegen die wachsende I n d u - strialisierung des deutschen Staates. Die liebt er nicht, und er liebt die Menschen nicht, die in der Industrie und im Handel stehen; er liebt sie ganz besonders nicht, wenn diese Menschen nun auch noch Juden sind. Er sieht auch den eigenen Standesgenossen, der in die Industrie oder den Handel hineingegangen ist, mit etwas scheelen Augen an. Meine Damen und Herren, es ist nicht lauter Vorurteil mit dieser Auffassung verbunden. Man kann sogar ästhetisch in einem gewissen Maße die Anschauung jener Leute verstehen, diese Freude an der alten Zeit und die Angst, daß so eine ganz andere Zeit hineingebrochen ist, eine Zeit, die alte Werte vernichtet. Sie sehen nur nicht, daß die neue Zeit auch neue Werte geschaffen hat, Werte, ohne die wir als Nation auf die Dauer überhaupt nicht bestehen könnten. Die neue Zeit überwindet aber auch viel von ihrer alten Herrschaft, die sie, weil sie drin sitzen, als, eine wertvolle Herrschaft ansehen. Nun können sie nicht alle ablehnen, die der neuen Zeit angehören; aber die, die der neuen Zeit angehören und außerdem noch Juden sind, gegen die wendet sich nun in ganz besonderem Maße ihre Mißstimmung und ihre Abneigung. Altes das wirkt mit und veranlaßt nun die Herrschenden zu sagen: wir wollen den Juden als Offizier, wir wollen ihn in maßgebenden Stellen unseres Staates überhaupt nicht sehen. Sie mißachten in dem Juden gleichzeitig ein Stück der neuen Zeit, die unangenehm über sie hereingebrochen ist. Aber ich meine nun, wir dürfen darauf v e r t v a n e u, daß es anders, und daß es besser werden wird; denn das jetzige System, das mit innerer Nobwendigkeit an seinen inneren Wide r s p r ü ch e n zusammen brechen muß, hat ja schon damit Bankerott gemacht, daß, man, wie gesagt, d e n getauften Juden akzeptiert, den ungetansten Juden aber nicht. Das ist ein Zustand, den auf die Dauer ein gesundes Staatswesen nicht ertragen kann (Sehr richtig!). Man muß immer und immer wieder die alte Formel bringen — sie ist verbraucht, aber sie gilt noch — daß d e r Staat Kvnserrative Abneigung gegen die Industrialisierung. Getaufte Juden akzeptiert.