Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- I. Der deutsche Jude in der Armee
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 394 (sequence 10)
- Language
- German
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ÄrrLiseMLismus eincrOberfchicht. 394 Im deutschen Reich. S H e i n g r ü n de n ein falsches und ungerechtes S y st ein verteidigt w ird. Gelegentlich klingt aus dem Munde der maßgebenden Herren dann auch noch die Bemerkung heraus, es wären eben im deutschen Volke hier und da noch antisemitische Strömungenvorhanden; das deutsche Volk akzeptiere deshalb nicht gern jüdische Vorgesetzte; es sei eine Mißstimmung gegen sie vorhanden, und darum habe man Bedenken gegen den jüdischen Reserveoffizier, gegen den jüdischen Offizier. Nun meine ich: wir haben doch in Deutschland eine Neihe von jüdischen Richtern; ich habe nie beobachtet, daß sie wegen ihrer Abstammung bei der Bevölkerung auf irgendwelche Schwierigkeiten gestoßen wären. And außerdem: wenn die Herren das deutsche Volk so kennen würden, wie sie es eigentlich kennen sollten, dann müßten sie wissen: der Antisemitismus sitzt ja in Wirklichkeit gar nicht in den breiten V o l k s m a s s e n , s onde r n der Antisemitismus i st eine geistige S t i m m un g e i n e r gewissen, g a n z d ü n n e n Obe r s ch i ch t. Von dort aus wird er fortgesetzt genährt. Wir brauchen doch nur unser politisches Leben anzusehen. Der Jude wird, wenn er ein tüchtiger, brauchbarer, ehrenwerter Mensch ist, doch auch im politischen Leben als Führer akzeptiert. Warum soll er denn nun nicht Reserveoffizier werden können. Warum sollen die Leute, denen man sonst mit Achtung und Wertschätzung entgegenkommt, wenn sie die Achtung und Wertschätzung verdienen, plötzlich mißachtet werden, wenn sie irgendeine militärische Vorgesetzten- Stellung einnehmen. Man hat doch in mannigfachen Fällen Juden sogar von der Militärbehörde attestiert, daß sie Offiziere werden können im Kriegsfall. Warum sollen sie dazu im Kriegsfall geeignet sein und nicht im Frieden? Glaubt man denn wirklich, daß irgendwo eine Auflehnung gegen den jüdischen Offizier entstehen würde, deswegen, weil er in einem jüdischen Hanse geboren worden ist? Man darf also die Gründe betrachten, wie man will, man kommt zu dem Ergebnis; gar kein Grund ist bei den Herren vorhanden, als der, daß sie mitte ndrin stehen in einem gesellschaftlichen Vorurteil. Die konservative Herrenschicht ist allerdings der Meinung, daß der Jude gesellschaftlich minderwertig sei. Sie will den Juden nicht. Wir wollen auch darüber ganz frei und offen miteinander sprechen. Die Juden waren durch die Jahrhunderte hindurch, durch den Druck und den Zwang, den die anderen ausgeübt haben, auf ganz gewisse Berufe angewiesen, und es waren gewiß auch Berufe, die, ich will einmal sagen, nicht beliebt machen, aber auch Berufe, denen so etwas anhing, was' zu einer Art minderen Ansehens geführt hat. And nun lebt die herrschende Klasse noch in den