Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- I. Der deutsche Jude in der Armee
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 393 (sequence 9)
- Language
- German
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Der deutsche Jude in der Armee. 393 Cherusker! (Heiterkeit.) Es fließt überhaupt nicht so viel germanisches Blut in Deutschlands wie gemeinhin die Antisemiten gern glauben machen. Die Deutschen sind blutmäßig eine merkwürdige Mischung; reine Germanen sind sie gewiß, nacht, und wenn wir einmal damit anfangen wollten, nur die Reserveoffiziere oder Offiziere werden zu lassen, die germanischen Blutes sind, dann würde uns unser Offizierersatz noch mehr Sorge machen, als er uns heute infolge eines falschen Systems schon macht. (Bravo!) Es wird dann weiter gesagt, ein Jude könne deswegen nicht Offizier werden, weil die Juden körperlich minderwertig seien. Meine Damen und Herren, ich glaube, in den Kriegen von 1813 bis Io, 1866 und 1870 ist doch bewiesen worden, daß die Juden körperlich - nicht minderwertig sind. Ich meine außerdem, wenn wir uns endlich einmal freimachen wollten, alle miteinander, von der falschen Vorstellung der jüdischen Körperbeschaffenheit, die durch die Witzblätter fortwährend in das Volk hineingetragen wird, dann wäre dies alte Vorurteil von der jüdischen Minderwertigkeit auch endlich einmal beseitigt. Ja, wir haben allerdings durch lange Jahrhunderte hindurch, nicht durch unsere Schuld, sondern durch die Schuld der anderen, in erbärmlichen Lebensverhältnissen leben müssen. Es lastete ein Leben auf uns, daß. wir wirklich körperlich 'durch Jahrhunderte hindurch minderwertig waren. Aber eine andere Zeit ist gekommen, und die jetzige Generation und noch vielmehr die Generation, die kommt, das sind Menschen, körperlich ganz gewiß, nicht minderwertig. Sie haben vielleicht all die Mangel, die die städtische Bevölkerung hat; aber militärisch brauchen wir eben auch unsere städtische Bevölkerung. Ich glaube, das Vorurteil von der jüdischen Minderwertigkeit ist durchaus unbegrün det. Es handelt sich aber gar nicht darum; es handelt sich vor allem um die Frage: warn m w i r d s e l bst der jüdische Einjährige, der durch und durch ein g u t e r Soldat i st , der k ö r p e r l i ch in jeder Be - Ziehung brauchbar ist, der auch gesellschaftlich in jeder Beziehung qualifiziert ist — warum wird denn der nicht Reserveoffizier? Meinetwegen mag man noch eine Aeitlang das alte Vorurteil mitschleppen und mag ängstlich und vorsichtig sein in der Auswahl; aber immer und immer wieder muß man auf das eine zurückkommen: wenn g a r keiner n n t e r d e n vielen T a u sende n f ü r qua lifiz i er t erklärt wird, da n n sind doch k ein e Gründe me h r dafür v o r h a nd e u, sond e r n d et n n h a n d e l t c s s t ch n it r d a r u m, d a ß mit i r g e n d w e l ch e n Befreiung kriege.