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Im deutschen Reich · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. 392

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
I. Der deutsche Jude in der Armee
Date
1913-09-01
Page
392 (sequence 8)
Language
German
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392 Im deutschen Reich. Die Ra^e kein Grund der Ablehnung. in der Tat — auch wieder vom deutschen Standpunkt aus — ein unerträglicher Zustand, daß wir eine Schicht in Deutschland haben, eine Berufsgruppe hohen Ansehens, die sich nicht scheut, in dieser bewußten Weise über das Gesetz, hinwegzuschreiten. And nun, meine Damen und Herren, was ist eigentlich der Argrund dieser Zurücksetzung der jüdischen Soldaten? Ist es di e Religion? Meine Damen und Herren! Der moderne Staat ist nicht so fromm, daß er etwa einen zurücksetzen würde, weil er ein anderes Glaubensbekenntnis hat. Vielleicht sind die norddeutschen Staaten noch etwas frommer als die süddeutschen (Heiterkeit), vielleicht legen sie etwas mehr Wert als wir Süddeutschen auf ein gewisses äußeres offizielles Bekenntnis; aber fromm im alten Sinne ist der Staat nicht; er kann ß auch gar nicht sein; denn er wird ja gebildet aus religiös ganz verschiedenen Elementen; ich habe außerdem die Meinung, daß gerade die Offiziere, die innerlich religiös sind, gute Katholiken oder gute Protestanten, daß die am allerwenigsten dazu neigen, einen Juden in seinen Rechten zu kränken wegen seiner anderen religiösen Anschauung. Ich kann mir einen wahrhaft frommen und wahrhaft religiösen Menschen überhaupt nicht vorstellen, der einen anderen verletzt und krankt, weil er einen anderen Glauben hat als er. Also die Religion ist es nicht. Ist es die Rasse? Ja, meine Damen und Herren, ich gebe ja bekanntlich auf Rassetheorien nicht viel, schon deswegen nicht, weil sie alle miteinander wissenschaftlich zusammengebrochen sind. Die Rassetheorien werden auch nicht etwa dadurch besser, daß sie nun von jüdischer Seite mit derselben Begeisterung vertreten werden, wie früher von antisemitischer Seite. (Sehr gut!) Falsch sind sie trotzdem alle miteinander. Aber im heutigen Vortrag untersuchen wir diese Frage, so interessant sie ist, ja nicht. Daß die Rasse der Grund der Ablehnung der Juden nicht ist, ergibt die einfache Tatsache, daß der Jude, sobald er sich hat taufen lassen, Offizier und Reserveoffizier werden kann. Ich habe im Leben noch nicht gehört, daß etwa die Taufe die Rasse und das Blut ändern würde; .der Wann bleibt ganz derselbe; aber sobald er getauft wird, wird er als Offizier akzeptiert. Also auf dem Standpunkt irgendwelcher Rassetheorien steht der Staat nicht, wenn er die Juden zurückweist. Außerdem wäre es in Deutschland eine ganz besonders gefährliche Sache, wenn der Staat sich auf das Gebiet der Rassetheorie begeben möchte. Wenn man manche Offiziere, vor allem die aus der herrschenden Schicht in Preußen, untersucht, wenn man nur feststellt, wo das Geschlecht seinen Sitz hat, dann weiß man von vornherein, die Vorfahren waren auch nicht blutsverwandt mit Hermann dem

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