Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- I. Der deutsche Jude in der Armee
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 391 (sequence 7)
- Language
- German
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Der deutsche Jude in der Armee. 391 sogar froh sein, und zwar deswegen: ich will — und viele unter uns denken genau so. wie ich — einer Gemeinschaft nicht angehören, in der von vornherein eine Mißstimmung gegen mich vorhanden ist. Es Ware mir unerträglich, gesellschaftlich in einem Kreise verkehren zu müssen, von dem ich weiß, daß ich den Leuten eigentlich aufgedrängt worden bin; wenn mein Sohn es auf der militärischen Stufenleiter einmal weiter bringen sollte als sein Vater, wenn bei ihm das Reserveoffizierwerden in Frage stünde, dann wäre ich ftoh, wenn das System der Wahl noch bestehen würde, wenn ihm deutlich vom Reserveoffizierkorps erklärt würde: wir wollen dich, oder wir wollen dich nicht. And wenn sie ihm sagen, wir wollen dich nicht, dann braucht er gar nicht totunglücklich darüber zu sein, sondern dann soll er sich sagen: da sitzen Menschen beisammen mit veralteten Vorurteilen, Menschen, mit denen ich persönlich nicht verkehren kann und nicht verkehren will. Aber, meine Damen und Herren, ich bin überzeugt, daß, wenn vor der Wahl von den aktiven Offizieren die Verfassung beobachtet wird, wenn außerdem die Wahl unbeeinflußt durch den Bezirkskommandeur vor sich geht, daß es dann eine ganz große ZahldeutscherReserveoffizierkorps gibt, die anstandslos einen Juden in der'Wahl akzeptieren würden. Ich habe nicht die Auffassung, daß unsere sämtlichen Reserveosfizierkorps von antisemitischem Geist erfüllt sind. Wie oft ist denn der Versuch gemacht worden, wie oft hat es denn ein Jude bis zur.-Wahl gebracht, und wie ist diese Wahl vor sich gegangen? Hat nicht der Bezirkskommandeur irgendwie seine Meinung dahin kund gegeben, daß. es bis jetzt in der deutschen Armee nicht üblich gewesen sei, daß ein Jude Reserveoffizier wird? Wenn wir nur einmal das erreicht hätten, daß in der Armee von den aktiven Offizieren, die in diesem Falle Beamte sind, und die als Beamte die Verfassung zu respektieren haben, bis zur Wahl das Recht beachtet wird, dann soll mir um die weiteren Folgen nicht bange sein. Wenn jeder tüchtige jüdische Einjährige so befördert wird, wie er es nach seinen Fähigkeiten verdient, dann kommt jeder Tüchtige zur Wahl, und ich sage noch einmal: das glaube ich nicht — und ich glaube das deutsche Volk zu kennen, und ich kenne doch auch genug Reserveoffiziere —, daß sie immer gegen jüdische Kandidaten stimmen werden. Also ich meine, unser Kampf wird sich nicht in erster Linie gegen das System der Wahl richten, als vielmehr dagegen, daß in der Armee'von den aktiven Offizieren bewußt die Verfassung mißachtet wird, von unseren Offizieren, die so gut wie ein anderer Staatsbürger verpflichtet sind, die Verfassung und die Gesetze zu achten. Auf die Dauer wird es