Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- I. Der deutsche Jude in der Armee
- Date
- 1913-09-01
- Page
- 390 (sequence 6)
- Language
- German
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Reserveoffizierswahl. 390 Im deutschen Reich. Wahl brachte, dann ist er glücklich in der Wahl durchgefallen (Hört! Hörty. Lassen Sie mich in bezug auf diese Wahl Ihnen meine lediglich persönliche Meinung sagen. Es wird vielfach die Auffassung vertreten — und ich begreife die Begründung dieser Auffassung — daß diese ganze Reserveoffizierswahl ein Institut sei, das eigentlich von Rechts wegen beseitigt werden sollte. Man vertritt die Auffassung, daß der Einjährige, der Reserveoffiziers-Aspirant, dem seine Vorgesetzten das Zeugnis geben, daß er sich in jeder Beziehung zum Offizier qualifiziere, auch ohne jede weitere Wahl zum Offizier ernannt werden könne. Wan sagt, und das mit gutem Recht, daß ganz gewiß der deutsche Richterstand denselben Anspruch auf Achtung und Wertschätzung erheben kann, wie die deutschen Offiziere, und daß man trotzdem beim Richter eine Wahl durch die Berufskollegen nicht für erforderlich halt. Der Staat ernennt den Richter und fragt vorher nicht bei dessen künftigen Kollegen an, ob der Mann als Richter auch genehm sei. Ich begreife also durchaus den Standpunkt, der das ganze System der Wahl der Reserveoffiziere durch das Referveoffizierkorps beseitigen will, zumal, wenn man sieht, daß sehr häufig Mißbrauch mit der Wahl getrieben wird. Aber ich habe auch Verständnis dafür, daß man sagt: Der Offiziersstand stellt nicht nur eine Gruppe von militärischen Vorgesetzten dar, sondern er soll gleichzeitig eine gewisse engverbundene gesellschaftliche Schicht sein. Sobald man sich auf diesen Standpunkt stellt, begreift man, &a% Wert darauf gelegt wird, daß die künftigen Berufskollegen erklären, ob ein Kandidat ihnen genehm sei oder nicht. Wenn man diesen Standpunkt akzeptiert, muß man sogar! zugeben, daß in der Reserveoffizierswahl etwas gut Demokratisches liegt: die Leute wählen und geben ihre Meinung kund nach einem demokratischen System. lind nun gehe ich weiter in meiner persönlichen Meinung und sage: Ich, als Jude, habe gegen die Reserveoffizierswahl gar nichts einzuwenden; ich gehe noch weiter, und raume den Reserveoffizieren,- die Antisemiten sind, das Recht ein, jedesmal, wenn ein Jude zur Wahl gestellt wird, gegen diesen Juden ihre Stimme abzugeben, weil sie nach ihrer antisemitischen Gesinnung den Juden für minderwertig halten. Ich werde die Anschauung, die diese Leute vertreten, bekämpfen; ich halte die, die diese Auffassung haben, selbst für minderwertig, und bin der Meinung, daß sie hinter unserer Zeit zurückgeblieben sind. Aber wenn es sich um eine rein gesellschaftliche Wahl handelt, also um eine Wahl, wie sie meinetwegen auch vorgenommen wird, bei der Aufnahme in irgendwelchen exklusiven Verein, nun gut, da soll einer aus seinem Herzen keine Mördergrube machen und soll den Mann, der ihm gesellschaftlich nicht paßt, ablehnen. Ich werde als Jude darüber