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Im deutschen Reich · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. 388

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
I. Der deutsche Jude in der Armee
Date
1913-09-01
Page
388 (sequence 4)
Language
German
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388 Im. deutschen Reich. ich einmal in der Geschichte nach und sehe, daß sie vor ein paar hundert Jahren einen Frieden geschlossen haben; da kamen die einen zum Fürstbistum Speyer und die anderen zur Alten Markgrafschaft Baden, und weil damals der Landesherr die Religion bestimmte, wurden die einen, die vielleicht vorher katholisch waren, evangelisch, und die anderen, die vorher evangelisch waren, wurden katholisch. And da begreifen es die Menschen, daß es zwar gut und recht ist, wenn der einzelne der Religionsgemeinschaft, in der er geboren wurde, treu anhangt, daß es aber ein Anrecht ist, ein schweres Anrecht und eine Sünde am Staat, wenn man sich gegenseitig bekämpft oder gar kränkt und verletzt deswegen, weil der eine in einer anderen Religionsgemeinschaft geboren wurde als der andere. Wenn man nun weiß, daß diese großen guten Grundsätze der Religionsfreiheit für unseren Staat notwendig sind, dann wird man mir Recht geben, wenn ich sage, es ist eine Deutsche Sache, deutsche Sache, um die wir kämpfen. Ls handelt sich nicht in erster Linie um unser Recht, sondern es handelt sich noch vielmehr darum, daß im Interesse des deutschen Staates, im Interesse der Würde unseres Staates, im Interesse der Gesundheit dieses Staatswesens, endlich einmal aufgeräumt wird mit den fortwährenden Verletzungen der Gleichberechtigung uns jüdischen Staatsbürgern gegenüber. (Bravo!) Wir wissen, daß. wir auf mannigfachen Gebieten über diese Verletzung zu klagen haben. Heute wollen wir uns über das Gebiet unterhalten, das Mit dem Heere im Zusammenhang steht. Es ist wohl mehr als 30 Jahre, daß kein Jude Deutsches Leer, mehr im preußischen Kontingent des deutschen Heeres Offizier oder Reserveoffizier geworden ist. Ich brauche Ihnen ja im einzelnen nicht zu schildern, wie es gemacht worden ist, damit dies Ziel erreicht wurde. Das, weine ich, wird mir doch wohl auch der begeistertste Anhänger des jetzigen Systems zugeben müssen, daß ganz gewiß unter den Tausenden von jüdischen Einjährigen in diesen 30 oder 35 Jahren ein einziger mindestens war, der in jeder Beziehung die Qualifikation zum Offizier besessen hat.. (Sehr richtig!) Man wird mir mehr zugeben müssen, man wird sagen müssen, 100 oder 150 werden doch wohl darunter gewesen sein. Das müssen doch wohl auch die Herren der äußersten Rechten wissen — ich will jetzt einmal durchaus konservativen und lediglich konservativen Gedankengängen folgen —, das müssen sie wahrlich auch wissen, Laß es doch auch noch gute Familien im deutschen Judentum' gibt. Oder wollen sie etwa behaupten, daß die Familien, aus denen sie zum Teil ihre Schwiegertöchter gewählt haben, keine guten Familien wären? (Heiterkeit und sehr gut!) Wenn ich ganz offen und frei sprechen will, meine

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