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Im deutschen Reich · 1913-07-01 · Heft 8 (Juli 1913) · p. 365

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 8 (Juli 1913)
Article
Berlin
Date
1913-07-01
Page
365 (sequence 4)
Language
German
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Korrespondenzen. '65 Pfarrer Luckan sei bekannt als Antisemit ersten Ranges, was gegen das christliche Gebot der Rächstenliebe verstoße. (Beifall links.) — Ist die Tatsache an sich empörend, so ist es noch empörender, daß es Synodalen gibt, die bei solcher Gelegenheit „Bravo!" rufen. — Boykott gegen d i e Juden. Im Heft 15 des Organs der „Deutschen Pühnengenossenschaft", „Der neue Weg" vom 12. April d. I., befand sich ein Inserat, in dem die Direktion des Naturtheaters „Deutsche Heimatspiele", Potsdam, Moltkestraße, einem christl. vorzügl. jugendl. Helden angenehmes Sommer- Engagement in Aussicht stellte. — Auf Anfragen betreffend Hütten in Tirol und Mitgliedschaft im Deutsch-Oesterreichischen Alpenverein: Die akademische Sektion München sowie die Sektion Hohenzollern und Mark Brandenburg nehmen Juden nicht als Mitglieder auf, verwehren ihnen aber nicht den Besuch der diesen Sektionen gehörenden Hütten. Der Sektion Mark Brandenburg gehören folgende Schutzhütten am Hoch- und Riederjoch in den Oetztaler Alpen: 1. Brandenburger Haus am Kesselwandjoch, 2. Hochjoch-Hospiz am Hochjochserner; 3. Sanmoarhütte am Riederjoch; 4. Weiskugelhütte im Langtauferertal. Wie weit man ein Haus in reiner Bergluft meiden soll, dessen Besitzer daheim „judenreinen" Alpensport pflegen, muß dem Geschmack des Einzelnen überlassen bleiben. — Der Frauenmörder Friedrich Weißenborn, der seine Geliebte, die Wirtschafterin Große in Lichtenberg, erwürgte, hat seine Antat durch Selbstmord gesühnt, nachdem er kurz vorher noch vergeblich versucht hatte, von seiner Frau Geldmittel zu erlangen, lieber das Vorleben Weißenborns, der in der letzten Zeit als Fensterputzer sich dürftig ernährt hat, haben die Tageszeitungen nachträglich Einzelheiten veröffentlicht, die denen, die seit Jahren dem Treiben der judenfeindlichen Parteien ihre Aufmerksamkeit widmen, zumeist bekannt waren, aber immerhin bemerkenswert sind, weil sie kennzeichnend dafür sind, mit welchen Werkzeugen diese Parteien zuweilen arbeiten. Die „Voss. Ztg." berichtet: „Weißenborn ist schon im Jahre 1903, während der Wahlzeit, im 2. Berliner Reichstagswahlkreise, auf dessen Eroberung durch den Prof. v. Wenckstern die Konservativen die größten Hoffnungen gesetzt hatten, als konservativer Agitator aufgetreten und erschien fast regelmäßig neben Wenckstern, dem „geistigen Arbeiter" v. d. Bottlenberg-Schirp und dem christlich-sozialen Arbeiter Reinhardt als besonders applaudierter konservativer Propagandist auf der Rednerliste der konservativen Versammlungen." Das „Berl. Tagebl." schildert das Vorleben Weißenborns wie folgt: „Weißenborn war früher Hausdiener. In den letzten Jahren wurde er wiederholt von der Polizei aufgegriffen und wegen Betruges, wegen Preßvergehens und wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewalttätigkeiten verurteilt. Er war seinerzeit mit dem bekannten Antisemitenführer Grafen Pückler eng liiert und in den meisten Fällen derjenige, der die Versammlungen des Grafen Pückler einbericf. Wiederholt ist er in antisemitischen Versammlungen auch als Redner ausgetreten, wobei er die Anwesenden zu Gewalttätigkeiten gegen die jüdischen Staatsbürger aufforderte. Als ihm die antisemitische Agitationstätigkeit nicht mehr die genügenden Geldmittel einbrachte, wandte er sich an den Vorstand des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus und bot diesem gegen Entgelt Material über einen bekannten Antisemitenführer an. Sein Angebot wurde aber abgewiesen. Erwähnt sei noch, daß Weißenborn im Fahre 1907, als der damalige Polizei-

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