Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1913-07-01 · Heft 8 (Juli 1913) · p. 364

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 8 (Juli 1913)
Article
Berlin
Date
1913-07-01
Page
364 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
address
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316829-2316836--23760-2347531
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

364 Im deutschen Reich. „Daß die Juden diese Forderung aus Vorliebe für das Kriegshandwerk erheben, oder weil sie darnach dürsten, sich fürs Vaterland zu opfern, glaubt kein Mensch, selbst Herr Gothein, ja sogar Herr Kopsch nicht. Sie hätten ja sonst in S üd--W estafr i ka Gelegenheit gehabt, zu beweisen, daß sie für das Vaterland zu sterben verstehen! Fällt den Juden aber gar nicht ein. Da können die dummen Deutschen hingehen, der Moritz Levi will als „schneidiger" Leutnant in Paradeuniform in den Salons seiner Rassegenossen glänzen und, wenn möglich, mit dem Titel Geschäfte machen." Wir wissen nicht, wie viele jüdische Soldaten in Süd-West- Afrika mitgefochten haben; das aber haben zahlreiche Tageszeitungen berichtet, daß der jüdische Leutnant Bendix dort gefallen ist, und daß der jüdische Sanitätsoffizier, der damalige Oberarzt Dr. Alexander Lion vom 8. bayrischen Infanterie- Regiment, der sich in Metz als Freiwilliger gemeldet, sich in so hervorragender Weise durch einen kühnen Patrouillenritt als militärisch er Führer ausgezeichnet hat, daß ihm das Ritterkreuz des bayrischen Militärverdienstordens mit den Schwertern und der preußische Rote Adlerorden 4. Klasse nebst der Südwestafrika-Medaille verliehen wurde. Herr Dr. Lion ist jetzt Stabsarzt in Bamberg bei einem bayrischen Infanterie-Regiment. Die Redaktion des christlich-sozialen Blattes „Die Arbeit" wird es nun nach dieser Belehrung hoffentlich für eine patriotische Pflicht halten, die in ihrem Artikel „Unverzeihlich" gegebene Kritik, die sich auch durch eine Anfrage bei den Kriegsministerien als vollständig unberechtigt erweisen würde, in obigem Sinne zu berichtigen. — D e r Antisemitismus im Konfirmandenunterricht ist in der am 11. Juni abgehaltenen Sitzung der Kreissynode Friedrichswerder II, die außer den westlichen Kirchengemeinden Berlins auch die von Charlottenburg und Schöneberg umfaßt, von liberaler Seite gerügt worden. Zu dem Bericht der Charlottenburger Luisengemeinde nahm der liberale Synodale Crdmannsdörfer das Wort und drückte zunächst sein Bedauern darüber aus, daß der Pfarrer L u ck a n nicht anwesend sei, der nach einem unwidersprochen gebliebenen Zeitungsbericht im Konfirmationsunterricht wenig angemessene Aeuße - rungen getan, nämlich seinen Konfirmanden nahegelegt habe, die Konfirmationskleider nicht bei Juden zu kaufen (Bravorufe rechts.) Wenn sie sich für ihn photographieren lassen wollten, würde ihn dies nur erfreuen, wenn er nicht auf den Photographien Firmen wie Cohn, Silber st ein oder L e v h lesen müsse. (Bravorufe rechts.) Cs sei sehr bezeichnend; daß von der rechten Seite Bravo gerufen werde. Seine Freunde halten es für unangemessen, haß ein evangelischer Geistlicher derartige Aeußerungen macht, noch dazu im Konfirmationsunterricht. (Sehr wahr! links.) Cs liege im Interesse des Ansehens der Luisengemeinde, daß Pfarrer Lukau sich recht bald zu der Sache äußere. (Bravo links.) — Rach dem Bericht der „Voss. Ztg." erklärte hierauf Oberpfarrer D. Riemann, es sei ganz unmöglich, über einen Abwesenden, noch dazu über angebliche Aeußerungen zu urteilen. Habe Syn. Luckan .es nicht der Mühe wert gehalten, auf einen solchen Zeitungsartikel zu äußern, so befinde er sich in guter Gesellschaft. (Beifall rechts.) Dies veranlaßte den liberalen Pfarrer K r a a tz zu erwidern, daß Syn. Luckan die Aeußerung getan, stehe ziemlich fest. Als auf dem Mureau ihn der Rendant auf den Zeitungsartikel aufmerksam machte, habe er die Finger in die Westentaschen gesteckt und mit schriller Stimme höhnisch gerufen: „W e i h g e s ch r i e n!"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.