Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1913-07-01 · Heft 8 (Juli 1913) · p. 366

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 8 (Juli 1913)
Article
Berlin
Date
1913-07-01
Page
366 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
address
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316829-2316836--23762-2347533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

366 Im deutschen Reich. Präsident von Berlin das bekannte Redeverbot gegen den Grafen Pückler erließ, sich in einer öffentlichen Protestversammlung mit dem Thema „Der Polizeipräsident von Berlin und das Redeverbot gegen den Grafen Pückler" beschäftigte. Ruch in dieser Rede machte er sich der Rufreizung zum Klassenhaß schuldig, und er wurde deshalb zu einer Geldstrafe von 50 Mark oder fünf Tagen Gefängnis verurteilt." — Bei der letzten Reichstagswahl war er wieder, nach Mitteilungen sozialdemokratischer Blätter, in R r n s w a l d e - Friedeberg für den Herausgeber der „Wahrheit", Wilhelm Bruhn, tätig. Wie der „Vorwärts" versichert, trat in einer Reihe von Versammlungen Weißenborn als Referent auf, zum Teil in Vertretung des Herrn Wilhelm Bruhn. In zahllosen Versammlungen war Weißenborn Diskussionsredner, um die Wähler für Bruhn einzufangen. — Ämter der Aeberschrift „Von deutscher Kunst und Literatur", verfaßt von Dr. R. Wedekind, wird eine Flugschrift versandt, in der im Sinne von Adolf Bartels und Heinrich Pudor der Versuch gemacht wird, die nichtjüdischen Deutschen durch die Behauptung einer Verjudung der Literatur in das antisemitische Lager zu locken. Die Flugschrift ist eine abstoßende Reklame für ein neues antisemitisches Machwerk, S e m i - K ü r s ch n e r , ein „Handbuch der Dichter, Journalisten, Gelehrten, Mäzene, Politiker jüdischer Rasse", die zwischen 1750 bis 1913 in Deutschland tätig oder bekannt gewesen sind. Der „S e m i-K ü r s ch n e r" wird sich voraussichtlich ebenso unzuverlässig erweisen, wie der „Semi-Gotha" traurigen Rndenkens. Der Ton, in dem diese wissenschaftlich verbrämte antisemitische Reklametrommel dumpf erschallt, — wer kennt ihn nicht?! „Ihr Richtjuden solltet euch mit diesem Problem, so wahr euch euer Leben lieb ist, etwas befassen? Denn schließlich sind wir doch nicht bloß wie die Raupen, die der Mordwespe verfallen, in ihrem eigenen Leibe die Brut des feindseligen Tieres hilflos austragen und dann verenden müssen, sondern wir sind noch Deutsche, Germanen, die dauernd mit jedem Gegner vom Teutoburger Wald bis auf die Höhen von Sedan fertig geworden sind." — Was da Herr vr. Wedekind ausgebrütet hat, scheint in der Tat einer antisemitischen Raupe ähnlich. Tilsit, 1. Juli. Anter der Aeberschrift „Gin Pistolen du ell" berichtete kürzlich die „Tilsiter Allgemeine Zeitung", ein früherer Referendar, jetziger Versicherungsbeamter, Leutnant der Reserve, Grätsch, habe in Königsberg bei dem Eintritt in das Lokal „Maxim" laut gesagt: „Reh, es stinkt nach Juden," aber als ein jüdischer Student ihn deshalb zur Rede gestellt, erklärt, er meine ihn nicht persönlich. Da darauf der Student L. die Partei des jüdischen Studenten ergriff, meinte Herr Grätsch wiederholt: „Was für ein Orang-Atang-Gesicht hat da noch was zu reden?" Darauf schlug ihn L. ins Gesicht und erhielt von dem Reserveleutnant eine Pistolenforderung. Das Duell verlief unblutig. Grätsch ist von drm Militärgericht in Breslau zu einer FestungssLrafe von drei Monaten und drei Tagen, der Rechtskandidat L. von der Königsberger Strafkammer zu der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. In der Arteilsbegründung führte jedoch der Vorsitzende ,aus, daß das Verhalten des L. in bedeutend milderem Licht erscheine, als das des Grätsch. X. Loblenz, 1. Juli. In unserer rheinischen Residenzstadt waren bis vor etwa Jahresfrist die Verhältnisse zwischen den Konfessionen leidliche; d. h. man kannte nur zwei Konfessionen, die katholische und die protestantische. Richt nur bei offiziellen An-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.