Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 8 (Juli 1913)
- Article
- Taufen und Austritte aus dem Judentum
- Date
- 1913-07-01
- Page
- 342 (sequence 5)
- Language
- German
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342 Fm deutschen Reich,- Wie schon oben bemerkt, ist das Anwachsen der Austritte unter den Juden nicht zum mindesten darauf zurückzuführen, daß jetzt die Frauen ein viel stärkeres Kontingent zu den Aus« tretenden stellen als früher. Während noch 1873—1906 unter der Gesamtzahl der Austretenden nur 1/4 Frauen waren, stieg der Anteil 1908 auf 37 %, im Jahre 1912 schon auf 40%. Unter 225 ausgetretenen Personen (nur Erwachsenen) im Jahre 1911 waren 77 Frauen, im Jahre 1912 befanden sich unter den 211 Ausgetretenen 86 Frauen. Die Gründe für die Zunahme des Uebertrittes der weiblichen Personen liegen klar auf der Hand. Sie sind zu erblicken einmal in dem stärkeren Eintritt des weiblichen Elements in das Wirtschaftsleben. Die Folge hiervon ist, daß auch die Frauen den wirtschaftlichen Antisemitismus verspüren, daß sie bei ihrem Vorwärtskommen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum auf Schwierigkeiten stoßen, die sie durch Austritt aus dem Judentum und Uebertritt zum EhristenLum zu beseitigen trachten. Dann aber vor allem in der Eingehung der Mischehe, die in unaufhaltsamem Wachsen begriffen ist. Wir wissen aus der Statistik, daß die Zahl derjenigen Mischehen steigt, in welchen der weibliche Teil dem Judentum zugehörig ist, und im Zusammenhang damit wächst die Zahl der Austrittserklärungen der jüdischen Frauen. Die Mischehe ist in den meisten Fällen nichts anderes, als die Vorstufe zum Austritt und zur Taufe. In vielen Fällen erfolgt der Austritt bereits vor Eingehung der Mischehe. Wenn man die Austrittsbewegung der jüdischen Frauen eindämmen will, so muß man zur Wurzel des Hebels schreiten, zur Bekämpfung der Mischehen. In einem späteren Artikel werden wir auf diese Frage näher eingehen. Einen interessanten Einblick in die Zusammensetzung der Ausgetretenen gibt die Verteilung nach den Berufen. Die Ergebnisse der Veröffentlichungen im Gemeindeblatt widersprechen der vielfach verbreiteten Ansicht, daß weitaus das größte Kontingent zu den Ausgetretenen die Schicht der akademisch Gebildeten und Beamten stellt. Stellen wir für die Jahre 1911 und 1912 die einzelnen Berufskategorien einander gegenüber, so ergibt sich folgendes: In beiden Jahren war der Anteil der KaufleuLe am größten. Im Jahre 1911 sind 49, im Jahre 1912 37 Kaufleute ausgetreten, in Prozenten der Gesamtzahl der ausgetretenen erwachsenen Personen ausgedrückt bedeutet dies: 33,11 bzw. 29,6 0/0. Erst an zweiter Stelle steht die Schicht der akademisch Gebildeten. Wir rechneten hierzu im Jahre ' 1911 2 <5tubentenf 8 Ingenieure, 14 Aerzte, 2 Regierungsbaumeister, 2 Apotheker, 1 Referendar, 2 Gerichtsassessorenj, 4 Rechtsanwälte, 2 Chemiker, 1 Redakteur, 5 Akademiker ohne Berufsangabe mit dem Titel Dr, xM.,