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Im deutschen Reich · 1913-07-01 · Heft 8 (Juli 1913) · p. 343

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 8 (Juli 1913)
Article
Taufen und Austritte aus dem Judentum
Date
1913-07-01
Page
343 (sequence 6)
Language
German
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Saufen und Austritte aus dem Judentum. 343 im ganzen 44 Personen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl betrug 29,27 o/o. Im Jahre 1912 zählten wir 34 akademisch gebildete Personen, im einzelnen: 8 Studenten, 8 Ingenieure, 9 Aerzte, 2 Architekten, 7 mit dem Titel Dr. phil., in Prozenten 27,20 o/o, also sowohl absolut, wie auch relativ ein Rückgang. Im weiten Abstand folgt dann die Schicht der Angestellten, die von 14 auf 18, von 9,34 auf 14,40 °/o gestiegen ist. Die Zahl der Handwerker und Arbeiter ist gleich hoch geblieben, sie belief sich in jedem Jahre auf 10, ist prozentual aber von 6,73 auf 8 % gewachsen. Von Bedeutung ist nur noch die Gruppe der Künstler und Schriftsteller mit 10 bzw. 8 Personen. Ihr Anteil ist derselbe geblieben, nämlich 6,75 bzw. 6,40 °A>. Zur Industrie gehörig waren 1911 6, 1912 nur 4 Personen. Bedeutungslos ist die Quote der Beamten. Es ist 1911 nur ein Beamter ausgetreten, 1912 waren es zwei. Erwähnt mag noch werden, daß unter den übrigen Berufen sich 3 Landwirte und 3 Rentiers im Jahre 1911 gegenüber 1 Landwirt und 5 Rentiers 1912 befanden. Betrübend ist aber, daß die Zahl der ausgetretenen Schüler sich verdreifacht hat. Es sind im Jahre 1912 6 Schüler ausgetreten, im Jahre 1911 waren es nur 2. Die soeben vorgeführte Berufsstatistik gibt zu Erwägungen Anlaß, durch welche Mittel und Wege der Austritt verhütet werden kann. Für die Schüler kommt die Beeinflussung durch den Religionsunterricht in Betracht, für die Studenten die Tätigkeit der jüdischer: Studentenorganisationen, für die Kleinhandwerker und Arbeiter engerer Zusammenschluß in Vereinigungen und Steuererleichterung von seiten der jüdischen Gemeinde, da sicher manchem die Befreiung von den Steuern die Veranlassung zu dem Austritte bietet, für einzelne Kategorien der akademisch Gebildeten, so für die Ingenieure und Chemiker, die besonders unter dem wirtschaftlichen Antisemitismus zu leiden haben, Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten durch die hierfür in Frage kommenden jüdischen Geschäftsleute und für alle Kreise eine stärkere Durchsetzung mit religiösen Ideen und dem Gedanken eines auf seine Eigenart stolzen Judentums. Die Geschichte der letzten 15 Jahre hat gezeigt, daß die Möglichkeit vorhanden ist, die Taufbewegung aufzuhalten, und Aufhalten bedeutet hier bereits einen Fortschritt. Das gibt uns die Hoffnung, daß die im Judentumlebendig wirkenden Kräfte machtvoll genug sind, über den Geist der Zerstörung den Sieg davonzutragen und die Taufen allmählich auf eine Zahl herabzudrücken, die keine Gefahr mehr für den Bestand des Judentums bildet.

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