Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 329 (sequence 7)
- Language
- German
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V ereinsnachrichten. 329 Wurde das Absurde solcher Redensarten hervorgehoben und die maßlose Aeberhebung gekennzeichnet, die sich in der Auffassung kundgebe, daß 36 000 deutsche Juden sich für einen Verein anwerben ließen, der ihnen an Leistungen nichts biete als eine Quittung über ihren Jahresbeitrag, und es wurde einer solchen Einschätzung unserer Glaubensgenossen widersprochen. Namentlich aber wurde der Versuch gekennzeichnet, orthodoxe Juden in den Glauben zu versetzen, der Centralverein segle im Fahrwasser der Liberalen und vernachlässige den Schutz desjenigen, was den Orthodoxen am Herzen liege. Es wurde festgestellt und mit Tatsachen belegt, daß in überaus häufigen Fällen den Verein gerade in solchen Fällen sich betätigt habe, wo lediglich die Interessen der Orthoooxen in Frage standen, wie z. B. in den Schächtangelegenheiten, bei der Beratung der die Sonntagsruhe betreffenden gesetzlichen Bestimmungen, bezüglich der Befreiung von Schülern der Fortbildungs- und fachtechnischen Schulen vom Anterreicht am Sonnabend und an den hohen jüdischen Feiertagen, und es wurden in diesem Zusammenhänge die überaus zahlreichen positiven Leistungen und Erfolge des Vereins im einzelnen gestreift. Weiter wies der Redner nach, wie manche Zionisten sich vollkommen in ihren Anschauungen verändert hätten und wie sie sich mit der Auffassung ihrer früheren Hauptführer und selbst des Begründers des Zionismus, Theodor Herzl, in Widerspruch setzten. Zum Schlüsse seiner Darlegungen erklärte der Redner, daß die Zeiten nicht danach angetan seien, die Juden zu inneren Kämpfen zu veranlassen und sich nutzlos gegenseitig aufzureiben. Der Centralverein werde deshalb, da i h m lediglich die Sache am Herzen liege, zwar unverändert und unveränderlich dem Zionismus gegenüber den in seiner Satzung, in seinem Aufrufe und in ganz gleicher Weise in seiner Resolution vom 30. März 1913 vertretenen Standpunkt, nach welchem alle deutschnational empfindenden Zionisten dem Vereine angehören könnten, weiter bewahren; er werde einen Kampf gegen den Zionismus als solchen nicht führen und er werde sich selbst durch die gröbsten Hetzereim von Zionisten nicht dazu verführen lassen, der Welt das Schauspiel zu geben, daß eine kleine Minorität durch innere Kämpfe die Verwirklichung ihrer vollen Gleichberechtigung in Frage stellt. Die Sache des deutschen Judentums zu führen, sei und bleibe die einzige Aufgabe und das stete Ideal der Leiter und der Mitglieder des Centralvereins. Nachdem der lebhafte Beifall, den der Vortrag geweckt, sich gelegt hatte, dankte der Vorsitzende dem Redner und erteilte das Wort Herrn Prof. Or. Falken heim, der in kurzen, klaren Ausführungen den Verlauf der Haupwersammlung vom 30. März d. I. den Versammelten schilderte. Der Redner berichtete kurz über den Inhalt der auf der Hauptversammlung gehaltenen Referate und den Verlauf der Diskussion und ging kurz auch auf den von zionistischer Seite gemachten Versuch ein, die Sache unrichtigerweise so darzustellen, als sei dem einzigen Zionisten, der in der Diskusion gesprochen hatte, das Wort abgeschnitten worden. Es wurde demgegenüber mit Recht hervorgehoben, daß zwar für alle Diskussionsredner eine Redezeit von 5 Minuten bestimmt worden sei, daß aber der einzige Zionist, Herr Prof. vr. Karl Lewin ca. 20 Minuten ungehindert gesprochen habe. Nachdem Herr Prof, vr. Falkenheim dann die anderen Gegenstände der Hauptversammlung und ihre Behandlung in dieser geschildert hatte, ging er zum Schlüsse seiner Darlegungen auch noch auf einige Vorwürfe ein, die ihm persönlich von Königsberger Zionisten gemacht warnen waren, und