Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 327 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316835--23699-2347428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vereinsna chr i chl eit. 327 des Centralvereins bezüglich der Erzielung einer gleichmäßigen Handhabung des Paßwesens bemängelte. Auch Herr Zahnarzt Schwerfen z aus H o h e n s a l z a übte an der Tätigkeit des Centralvereins eine heftige Kritik. Im Schlußwort widerlegte der Referent, Herr Justiz rat Dr. Horwitz, mühelos alles, was diese Herren, insbesondere Herr Rechtsanwalt Kollenscher, ausgeführt hatte, im einzelnen und legte dar, aus welchen Gründen der 'Centralverein eine Resolution fassen mußte und daß diese lediglich in der Form, in der sie beschlossen worden ist, abgefaßt werden konnte. Der überaus reiche Beifall, der,den Worten des Referenten von der erdrückenden Mehrzahl der Versammelten zuteil wurde, war ebenso bemerkenswert wie die offensichtlich gedampfte Stimmung der Gegner des Centralvereins. Auch in der am 14. April in Beuthen (O b.--S ch l.) abgehaltenen und außerordentlich zahlreich besuchten Centralvereinsversammlung, die von Herrn Rechtsanwalt Skaller geleitet wurde, führte Herr Iustizrat Dr. Horwitz als Referent in überzeugender Weise aus, daß es durchaus notwendig sei, durch einen festen Zusammenschluß im Centralverein den Mißstand der vielfachen Zurücksetzungen zu beseitigen, über den sich die deutschen Juden noch auf den verschiedensten Gebieten zu beklagen haben. Auch die Frauen sollten als Mitglieder dem Centralverein beitreten, um ihn im Kampfe um die Verwirklichung der Gleichberechtigung zu unterstützen. Die Worte des Redners lösten lebhaften Beifall aus und erzielten den Erfolg, daß während einer kurzen Pause nach dein ersten Referat eine große Anzahl von Reuanmeldungen erfolgte. Sodann behandelte als zweiter Referent Herr Rabbnier Dr. K o p fst e in - Beuthen das Thema: „Ein Wort zur Bessergestaltungft um nach den objektiv angeführten einzelnen Tatsachen auch subjektiv Heilmittel in Vorschlag zu bringen. Unbedingte Einigkeit sei die Voraussetzung des Erfolges der Bestrebungen, die auch dahin gehen müßten, endlich eine gesetzlich anerkannte Gesamtvertretung der preußischen Judenheit als Glaubensgemeinschaft zu erreichen. Von der Leitung der in Betracht kommenden bürgerlichen Parteien sei zu verlangen, daß sie in aussichtsreichen Wahlkreisen auch jüdische Kandidaten aufstellen und nur solche, von deren Äeberzeugungstreue sich erwarten lasse, daß sie die berechtigten Beschwerden der Juden solange zur Sprache bringen, bis die gerecht denkenden Parlamentsmitglieder zur Abstellung des den Juden zugefügten Anrechts ihren Beistand leihen. Die gerügten Mißstände in den verschiedenen Gewerbsgebieten sollten in engeren Beratungen mit einflußreichen Glaubensgenossen zur Sprache gebracht werden, um diese zu veranlassen, sich an der Verbesserung der Lage zu beteiligen. An diesen ebenfalls mit Beifall belohnten Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, insbesondere über die in der Hauptversammlung am 30. Marz gefaßte Resolution. Dies veranlaßte Herrn Fustizrat Dr. Horwitz, den schlagenden Rachweis zu führen, daß -die aus diesem Anlaß gegen den Centralverein erhobenen Beschwerden völlig unbegründet seien. Die Resolution sei einfach eine Konsequenz der Satzungen des Centralvereins. Rach wie vor seien die Zionisten, d i e d e u t s ch e Gesinnung hegen, zur Mitarbeit im Centralverein willkommen. Eintracht tue aber not, denn nur durch Einigkeit könnten die deutschen Juden ihre gerechte Sache zürn Siege führen. — Am 6. Mai d. I. hat in Königsberg i. Pr. eine V e r s a m in l it n g u nseres V e r e i n s stattgefunden, welche den großen Saal der Bürgerressource derart überfüllt hatte, daß in allen Gängen die Teilnehmer Kopf an Kopf gedrängt standen.