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Im deutschen Reich · 1913-06-01 · Heft 7 (Juni 1913) · p. 326

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 7 (Juni 1913)
Article
[Ohne Titel]
Date
1913-06-01
Page
326 (sequence 4)
Language
German
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326 Im deutschen Reich. schädigt worden. Seit dem Wirken der Ansiedlnngskommistion von 1886 sei die vorher 131 betragende Zahl der Städte, in denen Juden wohnen, in der Provinz Posen auf 123 zurückgegangen; in der Stadt Posen sei die Zahl der Juden seit dem Jahre 1900 von 5 % der übrigen Bevölkerung aus 3,39 <>/'o gefallen. In Bromberg gab es 1871 1963 Juden, im Fahre 1910 nur noch 1319. So sei es überall. Der polnische Mittelstand sei nur begründet worden mit dem zur Germanisierung der Ostmark bewilligten deutschen Golde. Der Landesverband des Eentralvereins, der neuerdings gegründet wurde, entfalte eine eifrige Tätigkeit, um eine weitere Verdrängung des Judentums aus der Ostmark zu verhindern. Diesem ebenfalls mit Beifall aufgenommenen Vorträge folgte eine freie Aussprache, in der insbesondere Herr Rabbiner I>r. Walter darauf aufmerksam machte, daß in der Ilmgegend von Bromberg das Ritnalmordmärchen kürzlich wieder aufgetaucht sei, und daß der Eentralverein das Seinige tue, die weitere Verbreitung dieses Wahns zu verhindern. Am Tage darauf wurde in Pose u eine öffentliche Versammlung des Gentralvereins abgehalten, die so zahlreich besucht war, daß der geräumige Saal der Reichshallen die herbeigeströmten Teilnehmer, deren Zahl über 1090 betrug, nacht zu fassen vermochte. Rach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Posener Ortsgruppe, Herrn Fustizrats Kirschner, entrollte der Vorsitzende des Zentralvorstandes, Herr Iustizrat Dr. H o r witz- Berlin ein Bild der schwierigen Stellung, welche die Juden inmitten der großen nationalen und wirtschaftlichen Kämpfe in der Provinz Posen einnehmen, bei denen ihre Eintracht in erfreulicher Weise zur Geltung gelange. Einigkeit sei aber auch das wirksamste Mittel zur Verwirklichung der Gleichberechtigung, eines Zieles, das leider noch in weiter Ferne gerückt scheine. Roch seien den Juden trotz vielfacher Befähigungen die Zugänge zu den verschiedensten Berufszweigen teils völlig verschlossen, teils nur vereinzelt offen. Der Vortragende schilderte die umfassende Zurücksetzung der Juden auf den verschiedensten Gebieten, die einen festen Zusammenschluß der Juden im Eentralverein nötig mache. Der Eentralverein habe stets die unter den deutschen Juden vorhandenen trennenden Strömungen zu überbrücken gesucht, um eine gemeinschaftliche Verteidigung der verfassungsmäßig verbürgten Rechte zu ermöglichen; er habe -ein auf gegenseitige Wertschätzung und erhöhtes Selbstvertrauen gegründetes Solid aritätsgefühl wachgerufen. Er verlange aber von seinen Mitgliedern, daß sie einerseits ihrer durch Religion und Geschichte geheiligten Gemeinschaft die Treue halten, andererseits als Deutsche auf der heimatlichen Scholle an deutscher Kultur Mitarbeiten. In diesem Sinne sei die am 30. März von der Hauptversammlung nahezu einstimmig angenommene Resolution gefaßt; um das Banner des Centralvereins aber sollten sich alle deutschen Juden scharen, ohne Unterschied ihrer religiösen und politischen Richtung, mögen sie liberal oder rechtgläubig, zionistisch oder nichtzionistisch sein. In der sich anschließenden Debatte sprach zunächst Herr Rechtsanwalt Kollenscher; als Führer der Zionisten in Posen griff er den Eentralverein wegen seiner in der erwähnten Resolution erfolgten Stellungnahme heftig an und behauptete, daß die Zionisten an staatsbürgerlicher Treue anderen Gruppen nicht nachständen und keine internationalen Bestrebungen verfolgten. Eine Spaltung in den Reihen des Eentralvereins werde leicht dessen autoritative Stellung als Zentralstelle für die deutschen Juden erschüttern. Sodann äußerte sich Herr Jacob Wollheim, der die Tätigkeit

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