Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 325 (sequence 3)
- Language
- German
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V e r e i n s n a ch r i ch t e n. 325 haltenen Vortrages eine Ortsgruppe gegründet wurde, deren. Vorstand sich wie folgt konstituiert hat: Vorsitzender Herr Hugo Freundlich, Schatzmeister Herr Leo Blau, Ad. Lewin, Rechtsanwalt Pr. Silberstein, Frau Charlotte Philippsthal, Frau. Sophie Goldstein. — Anser Verein hat am 12. April im Karmeliterhof zu Bromberg eine öffentliche Versammlung veranstaltet, die nicht nur aus Bromberg) sondern auch ans der Amgegend, z. B. aus Schubin, Schwetz und Nakel, gut besucht war. Der Leiter der Versammlung, Herr Iustizrat Wolfen, begrüßte die Erschienenen und erteilte dann dem 1. Vorsitzenden des Centralvereinsoorstandes, Herrn Iustizrat Dr. H o r w i tz - B e r l i n , das Wort, der über „die Zurücksetzung der Inden im Staatsdienst, im Handel imb in der Industrie" sprach. Nach einem Hinweis darauf, daß die jetzt erweckten Erinnerungen an die Befreiungskriege die Juden auch an ihre ein Jahr vor dem Beginn der Freiheitskriege erfolgte Emanzipation mahnen, zeigte der Redner, daß die Gleichstellung der Juden noch immer nicht vollständig verwirklicht sei. Auch bei der tüchtigsten Befähigung sei nicht nur die fast ausschließlich dem Adel vorbehecktene diplomatische Laufbahn, sondern auch diRAemter der übrigen Staatsverwaltung den Juden verschlossen, das Schulwesen nur teilweise zugänglich; hier kämen auf 200 christliche Lehrer nur ein jüdischer Lehrer, obgleich auf 200 Schüler 10 jüdische kommen. Auch an den Hochschulen seien nur wenige Juden angestellt: obgleich in der I u st izverwaltung die Stellung der Juden noch verhältnismäßig günstig erscheine, seien, sie in der Staatsanwaltschaft gar nicht, in den höheren Richterstellen nur ganz vereinzelt vertreten. Für die Verleihung der Notariate würden drei Listen geführt, eine der christlichen, eine der getauften früher jüdischen und eine der jüdischen Rechtsanwälte. Bei den Bemühungen der Juden, die Beförderung znm Offizier;;u erlangen, sei keineswegs etwa nur der Ehrgeiz im Spiele, sondern die Erkenntnis, daß in Deutschland, namentlich aber in Preußen eine ganze Reihe von Berufszweigen den Reserveoffizieren Vorbehalten sei. In den städtischen V e r w a l t u n g e n erreichen die Juden in der Hauptsache nur ehrenamtliche Stellungen, während sie zu besoldeten Aemtern nur ganz vereinzelt gelangen. Bei den Großbanken, den chemischen Fabriken, in den technischen Betrieben finden die Juden nur ausnahmsweise Beschäftigung; als Schiffsingenieure kommen sie gar nicht an, weil das zum Studium unerläßliche Material sich im Besitz von studentischen Verbindungen befindet, die keine Juden aufnehmen. Da der Deutsch-nationale H a n d l u n g s g e h i l f^e n - V e r b a n d den Juden auch auf dem Gebiete des Handels das Feld abzugraben sucht, müßten sie diesem Treiben sich energisch widersetzen: sie dürften aber auch tut allgemeinen nicht aufhören in und mit dem Eentralverein für die Verwirklichung der Gleichberechtigung zu kämpfen, da sie als Deutsche jüdischer Religion, sich fühlen und gleiche Rechte beanspruchen können, wie die Deutschen anderer Bekenntnisse. - Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag folgte ein zweiter des Herrn Iustizrat Kirschner aus Posen, über die Lage der Juden in der Provinz Posen. Der Redner führte aus, daß diese Lage sich sehr schwierig gestaltet habe, obgleich die schon im 13. Jahrhundert mit den Germanen eingewanderten Juden nicht im Polentum aufgegangen, sondern deutsch geblieben seien. Trotzdem seien sie unverdient seit dem Germanisationsprozeß durch das Verhalten der Ansiedlungskommission, der Raiffeisenverbände imb das den Handel schwächende Anwachsen der Genossenschaften vielfach ge-