Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Jugendverband und Centralverein
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 309 (sequence 6)
- Language
- German
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Iugendverband und Centralverein. 309 vertreten wurde, und der — entgegen den offiziellen Kundgebungen des Zionismus — sagte: „Wir sind nicht Deutsche, wir sind Juden; wir gehören nicht zum deutschen Volke, wir sind hier Gäste im fremden Wirtsvolk; die jüdische Religion ist uns gleichgültig, sie erhält das Judentum nicht, ist ihm auch nicht wesensnotwendig." Dieser Standpunkt ist weder jemals von der zionistischen Partei als solcher, noch überhaupt von der überwiegenden Mehrheit der zionistischen. Partei geteilt worden. Der Centralverein — ich' spreche noch i nun er nicht in eigenem Namen — sagte sich: Gemäß § 1 wollen wir unser Recht als Angehörige der deutschen Volkes erringen; wir glauben, daß es uns als Volksfremden nicht zusteht. And der Centralverein sagt weiter: Die bisherige offizielle zionistische Partei, die Kundgebungen des Gros' des deutschen Zionisten, haben uns bisher in unserer Tätigkeit nicht gehindert; wir Haben auch die Zionisten gern als Mitglieder gesehen. Wir — d. h. der Centralverein — sind aber neuerdings zu unserer Resolution gedrängt worden, nicht etwa wegen der zahlreichen Versammlungspöbeleien, sondern dadurch, daß fast in jeder Versammlung der Centralverein interpelliert und gebeten wurde: Gebt endlich offen an, was ihr mit § 1 meint und wie ihr euch zum Zionismus stellt, hauptsächlich aber dadurch, daß Aeußerungen, wie oben mitgeteilh vorc zionistischer Seite immer mehr fielen und die staatsbürgerliche Stellung der deutschen Juden zu untergraben drohten. Der Centralverein wies weiter darauf hin, daß die Zionisten über die Rationalitätsfrage nicht einig seien; er wies darauf hin, daß Ar. Ludwig Wassermann in der „Jüdischen Rundschau" ausgesprochen habe: Der Jude könne niemals deutsch-nationales Gefühl haben; er wies auf die durchaus abweichende Meinung Calvarys hin; er wies darauf hin, daß in einer Protestversammlung der Berliner zionistischen Vereinigung der Hauptredner, Herr RechLsanwalt Gronemann, ja selbst in einer Aeußerung zugeben mußte, daß die Sache nicht klar sei, indem er nämlich als Losung empfahl: „objektiv deutsch-nalional, subjektiv jüdisch-national". Aeber einen Punkt glaube ich mich nicht auslassen zu brauchen, meine Verehrterl — nämlich über die Behauptung, der Centralverein habe die staatsbürgerliche Treue der Zionisten verdächtigt. Mag der eine oder der andere Zionist das noch herauslesen, ich bin — und ich glaube objektiv zu sein — der Ansicht, daß wir, wenn wir den Wortlaut der Resolution durchlesen, aus keinem Wort eine Verdächtigung der staatsbürgerlichen Gesinnung der Zionisten herauslesen können. Ich komme nunmehr zu meiner persönlichen Auffassung der Angelegenheit und da muß ich sagen: Das Reue und Ausschlaggebende war für mich nachstehende Erwägung. Ich habe zwar immer gewußt, daß es Nationaljuden gibt, die sagen: Ich selbst fühle Glicht deutsch-national, sondern ich fühle jüdisch-national; ich habe aber immer geglaubt, daß diese Herren Anderen die Berechtigung und die Möglichkeit zuerkennen, deutsch-national zu empfinden, da ja doch nicht jedem jüdisch-naLionale Empfindung angeboren und anerzogen ist. Für mich war es eine absolute Neuheit, und ich lege dieser Tatsache das allergrößte Gewicht in meiner Eigenschaft als deutscher Staatsbürger bei, daß tatsächlich jetzt mit rücksichtsloser Schärfe in zionistischen VeröffentLichungen betont wirb, daß für einen deutschen Juden ein deutsch-nationales Gefühl überhaupt nicht möglich sei. (Hört! Hört!) Was ich jetzt gesagt habe, ist immerhin Ausfassungssache. Ich glaube, wir kommen zu einer besseren und sachlicheren Entscheidung,