Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Jugendverband und Centralverein
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 308 (sequence 5)
- Language
- German
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308 Im deutschen Reich. Hausgesprächen, jüdische Politik von mancher Seite gemacht wird. Ich erinnere Sie daran, verehrte Delegierte, daß die Frage der -Aufnahme des Ceutralvereius ein Hauptstreitpunkt bei der Begründung unseres Verbandes war. Wir haben monatelauge Verhandlungen darüber gehabt; speziell die zionistischen Herren sagten: „Wir können einen Verband nicht mitbegründen, in dem der Centvaloerein als Patron mit beratender Stimme sitzt, weil durch Z 1 des Lentralvereinsstatuts den Zionisten unmöglich gemacht wird, überhaupt in den Centralverein hineinzugehen und dieser daher nicht neutral ist." Darüber waren auch in der Gründungsversammlung und in den Vorverhandlungen — lesen Sie doch die Stellen nach! — sehr lebhafte Debatten. Ein Zionist sagte so, andere Zionisten sagten wiederum: „Unter Zurückstellung gewisser Bedenken kann man doch als Zionist das Centralvereinsstatut unterschreiben." Kurz und gut: Meinung stand gegen Meinung. Wir einigten uns schließlich dahin: Mag nun der Centralverein vorn Standpunkte der Zionisten aus neutral sein oder nicht, wir wollen unter keinen Umständen einen Iugendverband gründen, wenn wir den Lentralverein nicht dabei haben. So sprachen wir nicht etwa um der schönen Augen des Lentralvereins willen oder durch die Beredsamkeit seiner Vorstandsmitglieder eingefangen, sondern wir argumentierten: Die einzige wirksame Organisation im staatsbürgerlichen Gleichberechtigungskampfe ist der Lentralverein; wir gründen keinen Iugendverband, der nicht nach außen hin auch das Moment des Emanzipationskampfes mit scharfer Deutlichkeit hervorhebt; diese Hervorhebung glaubten wir gerade dadurch erreichen zu können, daß wir den Lentralverein trotz der geäußerten Bedenken einstimmig in den Verbandsvorstand hineinwählten. (Sehr richtig!) Das steht historisch fest, und ich erbitte mir eine Widerlegung nur von solchen Leuten, die dabei waren, oder die das betreffende Material geprüft haben. Es erhebt sich daher für uns jetzt nur die Frage: Sind Gründe dafür anzuführen, daß der Charakter des Centralvereins sich seit jener Zeit geändert hat? Run, meine verehrten Damen und Herren, werde ich ein paar Sätze sprechen und bitte dringend, daß Sie deren. Inhalt nachher nicht etwa als meine eigene Stellungnahme auslegen; denn ich lehne es absolut ab und halte es für durchaus verderblich, wenn wir uns hier überhaupt in diesen Streit zwischen Zionismus und Centralverein einmifchen. (Beifall.) Ob die Resolution berechtigt war oder nicht, geht uns hier nichts an; das ist eine Angelegenheit des Centralvereins und eine Angelegenheit der Zionisten. Ich will jetzt nur kurz darlegen, wie von seiten des Centralvereins diese Resolution begründet worden ist, und ich benutze in meinen folgenden Sätzen nur offizielle Kundgebungen des Centralvereins und nicht etwa gelegentliche Aeußerungen von Diskussionsrednern. Der Centralverein betont, daß er seiner Auffassung nach durch die Abnahme der Resolution genau das bleibe, was er bisher war. Selbst die Gegner müßten anerkennen, daß die neuerliche Resolution des Centralvereins nichts weiter sei als eine absolut offene, ehrliche Interpretation des soviel kommentierLen § 1 des Lentralvereinsstatuts. Der Centralverein sagt weiter — und das ist insbesondere in der letzten.Nummer seiner Zeitschrift in offizieller Weise erklärt worden —, daß er es sich energisch verbitte, wenn man etwa aus seiner Resolution ein Wort gegen den Zionismus herauslese, der aus dem Boden des Baseler Programms stehe: sondern die Resolution richte sich nur gegen den Zionismus, der in letzter Zeit vou einzelnen in. Aufsehen erregendem Maße