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Im deutschen Reich · 1913-06-01 · Heft 7 (Juni 1913) · p. 310

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 7 (Juni 1913)
Article
Jugendverband und Centralverein
Date
1913-06-01
Page
310 (sequence 7)
Language
German
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310 Im deutschen Reich. wenn wir uns in die Seele derjenigen Delegierten versetzen wollen, die da sagen: Mögt Ihr reden, was Ihr wollt; wir betrachten diese Resolution trotz aller Deutungskünste, trotz alter Interpretationen als einen Affront gegen uns, und als eine Tatsache, die uns die Mitgliedschaft im Eentralverein unmöglich macht. Diese Delegierten, deren Motive sicherlich durchaus ehrliche und anständige sind — und ich bitte Sie dringend, dem Rechnung zu tragen —, nehmen dreierlei Stellung ein. Die eine Richtung sagt: Wenn der Lentralverein heute nicht hinaus geworfen wird. — heraus mit uns aus dem Iugendverband. Die zweite Kategorie mildert die Sache etwas und sagt: „Heraus aus dem Iugendverband", dürfte etwas voreilig sein; man kann nicht wissen, ob das opportun ist, aber wir wollen wenigstens aus den Vereinen herausgehen, die uns in der E entr alv er eins suche nicht willfährig sind. Die Dritten und das sind wohl die treuesten Freunde des Verbandes — sagen: Wir werden in ernster, dringender und nachdrücklicher Form auf dem Delegiertentage, als dem gegebenen Forum, unseren Standpunkt vertreten, werden dafür sorgen, daß unser Standpunkt zum Siege kommt, aber als disziplinierte treue Iugendvereinler werden wir uns der Entscheidung der Delegiertentagung beugen. Verehrte Freunde, wie die Antwort auch ausfallen mag, wir haben uns lediglich zu fragen: Erstens: Was frommt unserer Bewegung, die eine Zusammenfassung der Jugend sein will, die das allen Juden Gemeinsame betont; und zweitens: Was frommt der Entwicklung des gesamten deutschen Judentums, dessen dienender Teil wir sind, und die wir uns als Iugendverband anders, auf anderen Grundlagen aufgebaut, denken als manche Anhänger ausgesprochener Parteien. Hingegen hat uns absolut gleichgültig zu. sein der Terrorismus, der etwa auf irgendwelche Delegierten ausgeübt worden ist oder vielleicht nachher ausgeübt werden soll; ebenso gleichgültig hat uns zu sein die Angst vor irgendeiner, sei cs heute oder irgendwann, erfolgenden Demonstration, oder Demonstratiönchen. Wir haben nur das eigene Gewissen und unser Gefühl als disziplinierte und liebevolle Mitglieder des Iugendverbandes zu fragen. Es ist erwogen worden, ob man nicht in ganz schlauer diplomatischer Weise über die unangenehme Geschichte herumkommen könne. Vielleicht, hat man gesagt, legt man den Herren vom Eentralverein nahe, sie sollen freiwillig vorläufig auf den Sitz im Verbandsvorstande verzichten. (Heiterkeit.) Ich persönlich habe die feste Aeberzeuguug, daß, wenn wir zu den Leitern des Centralvereins gekommen wären und gesagt hätten: Es liegen Schwierigkeiten vor, Eure Zugehörigkeit stört unsere Arb eit, den Frieden, die Eintracht, — die Leiter des Centralvereins die ersten gewesen waren, die den Stein des Anstoßes im Interesse der Iugendsache aus dem Wege geräumt hätten. Ich begehe keine Indiskretion, wenn ich sage, daß Mitglieder der Eentralvereinsleitung uns gesagt haben: Gut, wenn Ihr glaubt, wir machen euch Schwierigkeiten, wir wollen euch dieser Schwierigkeiten entheben. Aber, meine Damen und Herren, dies wäre die gefährlichste Lösung gewesen? Wir hätten dann zwar eine nette, friedliche Delegiertenversammlung gehabt, hätten die Sache ein paar Monate vertagt, vielleicht wäre sie auch in Vergessenheit geraten. Aber die Sache ist so ernsthaft, daß sie — mögen die Geister hier auch aufeinander platzen —, eine deutliche Entscheidung erfordert. Das Organ für Subtilitäten ist bei der großen Oeffentlichkeit nicht sehr entwickelt. Die jüdische Oefseutlichkeit würde doch nur gedacht haben: Iugendverband und Centralverein haben sich in feindlicher Weise geschieden.

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