Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Jugendverband und Centralverein
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 306 (sequence 3)
- Language
- German
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306 Im deutschen Reich. Lürger jüdischen Glaubens in meiner Eigenschaft als Delegierter dieser Organisation gesagt habe. Ich sprach, wie ich bemerken möchte, nicht zu dem Punkte „Eentralverein und Zionismus", sondern in der am Rachmittag stattfind enden Generaldebatte. Ich knüpfte an eine Aeußerung unseres verehrten Freundes Herrn Dr. Rieger an, der einer der wärmsten Befürworter unserer Bewegung ist und der am Vormittage dem Vorstand des Eentralvereins den sehr lebhaften Vorwurf gemacht hatte, daß er unseren Iugendverband, den er als einen der bedeutsamsten Erscheinungen des modernen Judentums bezeichnete, nicht genügend unterstütze. Ich erklärte, daß ich es als meine Loyalitätspflicht erachte, zu betonen, daß die Leitung des Eentralvereins — ich meinte die Gesamtleitung — uns in jeder Weise ideell und materiell unterstützt habe, und daß ich ihr dafür im Namen des Iugendverband es den wärmsten Dank aussprechen könne. Ich fügte hinzu, daß ich nicht dasselbe Lob an die Adresse aller Ortsgruppen des Eentralvereins richten könne, von denen manche sich leider um unsere Bewegung überhaupt nicht kümmerten und einige wenige aus Ankenntnis ihr Schwierigkeiten machten. Ich benutzte dann die Gelegenheit, um — obschon das Vielleicht parlamentarisch nicht mehr statthaft war, da die diesbezügliche Debatte bereits abgeschlossen war — zu betonen, daß das Argument, das Herr Professor Falkenheim am Vormittag als Begründung der Zionistenresolution in die Debatte geworfen hatte, daß nämlich seiner Ansicht nach die Gefahr bestehe, daß die gesamte jüdische Jugend Deutschlands zionistisch werde, wenn sie es nicht schon geworden sei, nach meiner Erfahrung durchaus nicht stichhaltig sei, daß ich im Gegenteil bemerkt habe, daß gerade weite Kreise der von mir geleiteten Jugendbewegung nicht zionistisch seien, schon allein aus dem Grunde, weil unsere sechzehn-, siebzehn-, achtzehnjährigen jungen Mitglieder in diesen Fragen noch keine Stellung genommen hätten. Ich stelle anheim, irrt Bureau des Eentralvereins das Stenogramm meiner Rede nachzulesen,- man wird dort finden, daß ich wörtlich und inhaltlich nichts anderes gesagt habe. Ich glaube nicht, meine Befugnisse überschritten zu haben und aus der Reserve heraus getreten zu sein, die mir meine Stellung als Verbandsvorsitzender auferlegt. Ich möchte aber prinzipiell erklären, daß ich mir in allen anderen Organisationen, denen ich angehöre, meine persönliche Stellungnahme durchaus Vorbehalte (Zustimmung). Ich gehe nunmehr über zu den in Betracht kommenden Anträgen. Es ist vom Kieler Verein beantragt worden: „Der jüdische Iugendverein Kiel beantragt, den Sitz des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Vorstande des Verbandes der jüdischen Iugendvereine Deutschlands zu streichen." Es liegt weiter vor der Antrag des Berliner Vereins: „Der Vorstand des Iugendverband es bzw. der Delegiertentag beschließt, daß der Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens infolge der kürzlich gefaßten Resolution, seine Stellungnahme zum Zionismus betreffend, nicht mehr als neutraler Verein im Sinne der Verbandsstatuten angesehen werden kann." ... Zur Beurteilung der bedeutsamen Frage, die Sie leider zu entscheiden haben, ist folgendes als grundlegend anzusehen: Wie lautet der § 1 des Statuts des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens? Ich. lese nur den Kernpunkt vor.