Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Glossen zur Zionisten-Resolution
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 300 (sequence 5)
- Language
- German
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300 Jur deutschen Ne ich. Daß es sich nur um eine zur Agitation geschaffene Entrüstung handelt, geht daraus deutlich hervor, daß zwar im allgemeinen Herr Geheimrat Fuchs jetzt sehr gern zitiert wird, daß aber auf die Worte seines Referates „Ich komme nun zur Frage: Was nun? And da sage ich, ich komme darauf zurück, im Kleinkampf das beseitigen, was unser nicht würdig ist. Wir müssen vornehm im Lichte der Wahrheit und mit den Waffen des Geistes unfern Kampf führen, wir wollen alles beseitigen, was Beschimpfung und Denunziation und Verhetzung ist. Wir wollen die einen nicht denunzieren, daß sie 5 e n Antisemitis m u s beförderten. W ir wollen um Gottes willen nicht von den A n 11 f e nt t1 e n u n & unser Verhalte n zu jüdischen Brüdern v o r s ch r e i b e n lassen. Wenn wir darauf hören werden, was die Antisemiten sagen, so werden wir entweder Schurken oder Narren werden. Wir wollen unser Verhalten danach bemessen, nicht was die Antisemiten sagen; denn der Jude mag durch heroische Tat das Vaterland retten, für die Antisemiten bleibt er der Jude und wird verbrannt." Nlit keinem Worte eingegangen wird. Noch alle zionistischen Redner baden diese Worte, die doch gewiß von Bedeutung sind, ihren Hörern unterschlagen. Regelmäßig kehrt die Behauptung wieder, der Centralverein habe durch die Resolution der Hauptversammlung sein Progamm, verändert. Nichts ist unwahrer als eine solche Behauptung. V o r Begründung des Centralvereins hatte Raphael Loewenfeld eine Reihe von Thesen aufgestellt. Line von diesen sprach ausdrücklich aus: „W i r st e h en fest auf dem Boden d erde u t s ch e n Nationalitä t." In der ersten Generalversammlung des Centralvereins im Jahre 1893 hat der Vorsitzende mit Bezugnahme auf die von Loewenfeld ausgestellten Thesen erklärt: „A u f dieser Basis, meine Herren, auf keiner andern, entstand unser Verein. Wer vorurteilslos prüft, wird zugeben, daß auf diesem gemeinsamen Boden sich alle Juden zusammenfinden können, finden müssen, finden werden. Wer will sagen, daß irgendeinen Juden seine religiöse Aeberzeugung hindert, sich zu diesen Sätzen zu bekennen? Nur auf der Grundlage dieser Thesen haben wir uns zusammengeschlossen, lediglich als Staatsbürger, deren Rechte gefährdet sind; wir vereinen darum in unseren Reihen auch alle ausnahmslos, welche in staatsbürgerlicher Hinsicht Juden sind, alle, die in den standesamtlichen Registern unter der Rubrik „Jude" geführt werden. Wag der einzelne in religiöser Hinsicht denken und meinen, was er für gut findet; das hat er mit sich selbst abzumachen. .Wir sind in dieser Gemeinschaft hier nichts als Staatsbürger. Wir haben wahrlich besseres zu tun, als unter uns darüber zu streiten, wessen Auffassung der Religionsübnng die richtige ist; man feindet ja auch nicht unsere Religion an, man feindet uns an, die „Juden"; und der strenggläubige ist nicht weniger bedroht als der freidenkende, der religionslose nicht weniger als der fromme. Wir haben keine religiösen Fragen zu erörtern, sondern staatsbürgerliche; wir haben unsere Rechte wahrznnehmen, die bedrohten Rechte aller Juden." Wie kann jetzt noch behauptet werden, der Centralverein habe sich ein anderes Programm gegeben, er sei anders geworden. Der