Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Glossen zur Zionisten-Resolution
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 298 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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298 Im deutschen Reich. ■feien wir in einer ganzen Reihe von Gegenden gezwungen, unter 'Umständen auch Täuflinge als Mitarbeiter gutzuheißen. Herr Blumenfeld hat in Berlin behauptet, ich hätte in der Kaiserhoch - S a ch e einen bewußt falschen Bericht nach Berlin geschickt. In Königsberg hat er mir den guten Glauben nach Maßgabe des Versammlungsberichts zugestanden, an der Unrichtigkeit des Berichts aber festgehalten und sie durch die neue Behauptung, ich wäre von den Kollegen im Vorstände der Ortsgruppe desavouiert worden, gestützt. Diese Behauptung ist falsch. In der Notiz „Im deutschen Reich" (1913, Seite 182) ist nichts enthalten, was der Blumenfeldfchen Aeußerung als Beweis dienen könnte. Auf die Kaiserhoch-Sache hier einzugehen, erübrigt sich. Es sei nur erwähnt, daß an der Universitätsfrauenklinik zwei Juden, der eine als Oberarzt, der andere als Assistenzarzt, tätig sind, der Direktor aber, der sie angestellt hat, der bisherige Prorektor Geheimrat Winter ist. Man hat behauptet und behauptet es immer weiter, so noch Herr Or. Klee jüngst auf der außerordentlichen Tagung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, daß ich noch heute Mitglied einer antisemitischen Burschenschaft sei, die meinen Sohn nicht aufgenommen habe. Die Burschenschaft Germania, der ich seinerzeit nicht das Band zurückgefchickt habe, weil sie gegen die A. D. E.-Resolution Stellung nahm, hat auf die an sie unter Hinweis auf die Konfession anläßlich des Abituriums -meines Sohnes gerichtete, direkte und eindeutige Antwort heischende Anfrage erklärt, sie würde ohne Rücksicht auf die weiteren Folgen die Aufnahme meines Sohnes bewirken, wenn ich ihn präsentierte. Daß ich später aus privaten, auf anderm Gebiete liegenden Gründen davon Abstand genommen habe, tut der Erklärung keinen Eintrag. Die oben erwähnte Behauptung ist irrig. Ich sollte meinen, trotz aller Verschiedenheit in der Auffassung des Judentums, entspräche es seiner Würde, daß der ■Kampf, zu dem es nun einmal gekommen ist, wenigstens in vornehmer Weise sachlich geführt wird, nicht aber unter Verschiebung auf das persönliche Gebiet, unter, wenn auch gutgläubiger Aufstellung von falschen, den Gegner herabwürdigenden Behauptungen. Ich hege die bestimmte Erwartung, daß nunmehr auch Herrn Blumenfeld die Anweisung gegeben wird, sich persönlicher Angriffe zu enthalten." Sachlich interessant ist folgendes: Auf sein angekündigtes Thema „Zionismus und Deutschtum" geht Herr Blumenfeld sachlich kaum ein, sondern erschöpft sich in Beschimpfungen des Lentralvereins. Dabei wird 1)r. Franz Oppenheimer kräftig abgeschüttelt; noch in Nürnberg setzte Herr Blumenfeld seinen Hörern auseinander, Dr. Oppenheimer sei gar nicht Zionist in wahren Sinne des Wortes. Die zionistische Parteiteilung behauptet jetzt und läßt durch ihre Redner behaupten, die deutschen Zionisten hätten im Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Vertretung der staatsbürgerlichen Interessen der deutschen Juden erblickt und ihm deshalb ihre Mitarbeit nicht entzogen, obwohl der Eentralverein oft genug seiner Aufgabe nicht gerecht wurde^). Leider ist die in der Resolution aufgestellte Behauptung unwahr. Schon im Jahre 1 9 0 8 hat einer der führenden *) Wortlaut der am 1. Mai von einem zionistischen Delegiertentage gefaßten Resolution.