Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Zum 25jährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II.
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 294 (sequence 6)
- Language
- German
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294 Im deutschen Reich. zu üben wissen, gleich den jüdischen Kriegern, die Ln den Freiheitskriegen und in dem Kampf um die deutsche Einheit „ihre volle Hingebung bewährt haben". Denn, sagt Richerch: „Ls gibt nur eine Taufe, die zur Rationalität weiht: das ist die Taufe des Bluts in dem gemeinsamen Kampf für Freiheit und Vaterland." Samson Raphael Hirsch* 2 * 4 5) erläutert Ierem. 29. I ff., den er wie folgt wiedergibt: „Bauet Häuser und lasset euchnieder. — And fordert das Heil der Stadt, dahin ich euch geführt, und betet für sie zu Haschem, denn in ihrem Heile soll euch Heil sein", mit folgenden schönen Worten^): „So hat denn Gott für alte Folgezeit festgestellt: in welchen: Laude Iißroel weile, als Bürger, als Einwohner, als Schützling, dessen Fürst und Obrigkeit als die seinigen zu verehren und zu lieben, zu Dessen Wohl mit jeder möglichen Kraft beizutragen, und gegen Fürst und Land . alle die Pflichten zu erfüllen, die ein Antertan dem Fürsten, die ein Bewohner dem Lande, die ein Bürger dem Staate schuldet. . . And diese Pflicht ist dir unbedingte Pflicht, unabhängig davon, ob der Staat mW oder herbe gesinnt gegen dich sei. Mag man dir das Recht verkümmern, das Recht, Mensch zu sein und gerechtes Menschenleben zu entwickeln auf dem Boden, der dich geboren — d u lasse nicht von deiner Pflicht — sei dir gerecht, sei gerecht dem Namen, den du trägst, der Pflicht, die Gott von dir fordert: „Treue gegen Für st und Land, und Heilsförderung, wo und wie du kannst". And da wir uns seit Jahr und Tag in deutschen Städten niedergelassen haben, so suchen wir getreu den Vorschriften unserer Religion ihr Heil zu fördern, denn „in ihrem Heil soll euer Heil sein". Daher sind uns auch der deutschen Dichter Worte keine fremden Worte, daher ist deutscher Gesang uns kein fremder Klang. „Die deutsche Sprache ist unsere Muttersprache, das deutsche Land ist unser Vaterland; wie wir deutsch reden und denken, wie unsere Seele durch deutsche Dichtung und Wissenschaft erfüllt und gebildet ist, also wirken wir mit Geist und Herz, nach dem Maße unserer Kraft, an deutschen Werken; die Größe, Hoheit und Macht der deutschen -Nation ist die Sehnsucht unseres GemütsH". Welche innere Wesens- Verwandtschaft zwischen dem deutschen Geistesleben und den Juden besteht, hat Prof. Goldstein-Darmstadt in seinem Vortrages über „Das deutsche Geistesleben und die Juden" gezeigt, indem er untersucht: Wieweit sind die Juden mit dem deutschen Geistesleben verwachsen? Wieweit ist das deutsche Geistesleben mit dem Judentum verwachsen? „Das Feuer," so schließt Goldstein seinen Vortrag, ,chas in unserer Seele flammt, ist ein Teil jenes Feuers, das die <5)eele eines Luther, die Seele eines Kant durchglüht hat. And so lange dieses unser jüdisches Feuer iu uns brennt und lebendig ist, so lange sind wir nicht nur dem Namen nach sind wir nicht 1) A. a. O. Seite 152. 2) In „Versuche über Iißrosls Pflichten in der Zerstreuung zunächst für Iißroels denkende Jünglinge und Jungfrauen." 4. Nufl. Frankfurt a. Main-Kauffmann. 3) § 607 und § 609. 4) Prof. Dr. M. Lazarus: Treu und frei: „Gesammelte Reden und Vorträge über Juden und Judentum". Leipzig — Winter 1887, Seite 180. 5) Nb gedruckt in dem stenographischen Bericht über die vierte Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden. Seite 36 bis 45.