Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Zum 25jährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II.
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 293 (sequence 5)
- Language
- German
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Zum 25 jährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II. 293 Deutschlands Helden und Deutschlands Weise haben uns nicht gelehrt, daß man durch solche Opfer ein Deutscher wird!" Wo in Deutschland erfüllen die Israeliten nicht alle Pflichten, die ihnen das Staatsgesetz, das ist für sie auch das Gottesgesetz) vorschreibt, „auf völlig gleiche Weise mit allen übrigen Untertanen, abgesehen davon, daß sie wohl fast in allen Staaten viel größere pekuniäre Lasten tragen, indem sie zu dem Staats-Einkommen, wovon Kirchen--, Schul- und Armenwesen größtenteils bestritten werden, gleichmäßig beitragen, außerdem aber ihren eigenen Gottesdienst allenthalben, ihre eigenen Schul- und Armen-Anstalten fast allenthalben aus eigenen Mitteln unterhalten müssen^)." „Die besondere Religion sollte mit der bürgerlichen Tätigkeit gar nichts zu tun haben." And weil wir wissen, daß „Klugheit und Gerechtigkeit für unseren Kaiser nicht bloß theoretische Tugenden, sondern seiner ganzen Natur entsprechende, sein streben und Handeln bestimmende Eigenschaften sindch," so setzen wir vertrauensvoll unsere Hoffnungen für die Zukunft auf seinen Gerechtigkeitssinn. Der deutsche Jude wird nicht ermüden, seinem Vaterlands weiter zu dienen, unbekümmert um das Geschrei zu seiner Linken und um die Bestrebungen zu seiner Rechten. „Staatstreue Gesinnung, geschäftliche Solidität, religiöser Ernst, positive Leistungen in Wissenschaft und Kunst" sollen den deutschen Juden auch in Zukunft nicht abgesprochen werden. And ohne Aeberhebung, aber mit einem Gefühl der Befriedigung und wohl auch des berechtigten Stolzes sei uns die Frage gestattet: Hat in den letzten Jahrzehnten der deutsche Jude nicht zu dein kulturellen Aufschwung unseres Vaterlandes beigetragen? Ist der deutsche Gedanke in der Welt nicht durch Arbeiten, die in der Technik, der Rechtswissenschaft, der Medizin — um nur einiges zu nennen?) — Angehörige des jüdischen Glaubens geleistet haben, gefördert worden? Auch die Angehörigen des jüdischen Glaubens unter den deutschen Lehrern wissen die tiefe Bedeutung der Worte zu würdigen, die Bismarck in Friedrrchsruh zu den vor ihm versammelten deutschen Oberlehrern gesprochen hat: „Für die Liebe zum Vaterlande, das Verständnis für politische Situationen, für diese und andere Eigenschaften werden die Keime gelegt in dem Stadium des Menschenlebens, welches Ihrer Pflege vorzugsweise anheimfällt,- der Charakter des jungen Menschen legt sich gerade in dieser Zeit fest." — Der Pflege vaterländischer Gesinnung weihen auch die jüdischen Lehrer in dem Anterricht in Religion, Deutsch und Geschichte ihr Bestes. Ihr Herz weitet sich, wenn sie der Ereignisse der Freiheitskriege gedenken, die Taten des Großen Kurfürsten erzählen, den Aufschwung der Hohenzolternlande unter Friedrich dem Großen schildern, auf die Gründung des neuen deutschen Reiches eingehen,- ihr Herz fühlt mit ihren christlichen Amtsgenossen die tiefe Schmach, die die Jahre 1806 und 1807 über Preußen gebracht haben. And wenn es sich darum handelt, durch private Mittel eine Stätte zu schaffen, die Kunst und ^Wissenschaft geweiht ist oder sonst einem Kulturzweck dienen soll, der ideale Sinn, der deutschen Fudenheit verleugnet sich nie. And weiter! Sollte das deutsche Schwert zu Deutschlands Ehr und Deutschlands Sicherheit wiederum aus der Scheide müssen, wir werden auch dann wahre Glaubenstreue und echte Vaterlandsliebe *) Rießer: a. a. O. Seite 58. 2) Hinzpeter a. a. O. Seite 13. 3) Siehe über hervorragende deutsche Juden: Philippson: Neuere Geschichte des Jüdischen Volkes. V. II. S. 258—261.