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Im deutschen Reich · 1913-06-01 · Heft 7 (Juni 1913) · p. 291

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 7 (Juni 1913)
Article
Zum 25jährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II.
Date
1913-06-01
Page
291 (sequence 3)
Language
German
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Zum 25 jährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II. 291 die volle Freiheit von aller Kastenbefangenheit und Stand esüberhebung hat"H, ihnen in dem oben angeführten Erlaß eine bittere Enttäuschung. And diese Enttäuschung mußte um so größer sein, als Anfangs Oktober 1888 Graf Douglas, ein persönlicher Vertrauter des jungen Kaisers, von diesem in Aschersleben vor seinen Wählern ein Bild zeichnete und hierbei bemerkte* 2): „Sie wissen, wie eine Versammlung, welche bei dem jetzigen Chef des Generalstab es, Grafen Waldersee, ab gehalten wurde und an der der damalige Prinz Wilhelm teilnahm, ausgebeutet wurde, um den Prinzen in der öffentlichen Meinung zu verdächtigen und ihn mit den Parteibestrebungen hochkirchlicher Kreise, insbesondere mit denen des Hofpredigers Stöcker, zu identifizieren. Alle diese Versuche, dem Kaiser eine persönliche Stellungnahme zugunsten bestimmter ParLeianschauungen zuzuschreiben, beruhen auf positiver Entstellung der Wahrheit. ... Der Prinz hob ausdrücklich hervor, daß es sich für ihn um Bestrebungen handele, welche jedem einseitigen kirchlichen Standpunkt fern liegen. Das ist die authentische, nicht zu mißdeutende Widerlegung aller jener törichten oder böswilligen Gerüchte. Das offene Gerede ist denn auch verstummt, namentlich, nachdem der Kaiser Friedrich die damalige Kronprinzessin, unsere erlauchte Kaiserin, durch eine besondere Kabinettsordre ermächtigt hatte, sich an die Spitze des Liebeswerkes zu stellen, das in jener Versammlung in seinen ersten Anfängen geplant worden war. Aber ich halte es' doch gerade gegenüber den versteckten Angriffen, welche gegen unseren Kaiser aus Anlaß der damaligen Versammlung noch jetzt erhoben werden, für geboten, zu konstatieren, daß die Beziehungen, welche der Kaiser Wilhelm zu dem Hofprediger Stöcker unterhalten hat, nur sehr vorübergehende waren, die sich lediglich auf jene echt humanen, weil echt christlichen Bestrebungen behufs praktischer Hilfeleistung bei den unteren Klassen ihrer Aotlage gegenüber beschränkt haben, welche jeder christlich denkende und das Volk liebende Wann auf das wärmste begrüßen muß und für die dem Hofprediger Stöcker rückhaltloser Dank und Anerkennung zu zollen ist. Darüber hinaus hat keine Verbindung mit dem Hofprediger Stöcker bestanden, und am wenigsten huldigt unser Kaiser den extremen politischen und konfessionellen Parteianschauungen, welche man an den Aamen dieses Abgeordneten?) zu knüpfen pflegt. Darüber besteht volle, unzweideutige Klarheit. And wenn versucht worden ist, den Kaiser sogar mit der antisemitischen Bewegung rn Verbindung zu bringen, so ist auch dies eine Dreistigkeit, der ich aus das Bestimmteste entgegentreten kann. Der Kaiser ist sich bewußt, daß er auch in dieser Beziehung auf einer höheren Warte steht, als auf der Zinne der Partei, und daß die Preußen jüdischen Glaubens so 'gut seine Antertanen sind, wie die christlichen Preußen." Diese Worte des kaiserlichen Vertrauten sollten die deutschen Juden nie vergessen, sie sollten ihnen ein Talisman sein in der Zeit, wo von höchster Stelle so oft betont wird, welchen hohen sittlichen Wert gerade in unserer ernsten Gegenwart die Glaubenstreue hat und doch zu gleicher Zeit der Abfall vom ererbten Glauben, der meistens aus nicht Men Gründen vorgenommen wird, durch mancherler „Prämien" gefördert und belohnt wird? „Aber", so äußerte Wilhelm II. einr) Hinzpeter: a. a. O. Seite 6. 2) Allgemeine Zeitung des Judentums,« Ar. 12, Oktober 1888. S. 657/658. b) Erwähnt seien auch die Worte des Kaisers: ,,Stöcker hat so tzeendet, wie ich es vorausgesagt habe."

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