Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 7 (Juni 1913)
- Article
- Zum 25jährigen Regierungsjubiläum Wilhelms II.
- Date
- 1913-06-01
- Page
- 290 (sequence 2)
- Language
- German
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290 Im deutschen Reich. Bemühen war bisher von Erfolg gekrönt; dafür gebührt ihm nicht allein seines eigenen Volkes Dank. Deshalb ist der Tag, der das erste Vierteljahrhundert der Regierung unseres Kaisers abschließt, für ganz Europa von hoher Bedeutung. Er reiht sich den anderen nationalen Gedenktagen an, die das Jahr 1913 in so reicher Zahl dem deutschen Volke bietet. Mit unzähligen anderen danken auch wir deutschen Juden unserem Kaiser herzlich für das, was er durch seine Friedenspolitik für unser Vaterland und für alle Kulturvölker getan hat. Sie geloben ihm von neuem Treue, sie geloben, daß ein jeder von ihnen in seinem Wirkungskreis das Seinige dazu beitragen werde, damit Deutschland auch in kommenden Tagen die Bahn des Fortschritts wandte und der deutsche Gedanke in der Welt sich weiter ausbreite. Sie werden um so lieber ihrem Kaiser folgen, als für sie, wie es im Talmudheißt, die weltliche Herrschaft ein Abglanz der Gottesherrschaft ist. Wie Wilhelm II. die Herrschaft ausüben würde, war, als er 29 jährig die Regierung übernahm, eine Frage der Zukunft. Des Kaisers Erzieher, vr. G. Hinzpeter, leitete die Skizze, die er rm Jahre 1888 schrieb, mit den Worten ent1 2 * 4 5): „In ganz Deutschland wird jetzt mit banger Sorge, mit warmem Interesse oder wenigstens mit lebhafter Neugierde die Frage aufgeworfen: Wem mag der junge Kaiser gleich sein?" — Die gestellte Frage sollte nicht lange ohne Antwort bleiben. Denn klar und scharf zeichnete der Kaiser selbst den Weg, den zu gehen, er den festen Entschluß hatte. Verkündete er doch (Proklamation vom 18. Juni 1888): „Auf den Thron Meiner Väter berufen, habe Ich die Regierung im Aufblick zu dem Könige aller Könige übernommen und Gott gelobt, nach dem Beispiel Meiner Väter Meinem Volke ein gerechter und milder Fürst zu fein, Frömmigkeit und Gottesfurcht zu pflegen, den Frieden zu schirmen, die Wohlfahrt des Landes zu fördern, den Armen und Bedrängten ein Helfer, dem Rechte ein treuer Wächter zu sein." Ebenso erklärte er in der Thronrede zur Eröffnung des Landtages (vom 27. Juni 1888): „Dem Vorbilde Meiner erhabenen Ahnherrn folgend, werde Ich es jederzeit als eine Pflicht erachten, allen religiösen Bekenntnissen in Meinem Lande bei der freien Ausübung ihres Glaubens Meinen königlichen Schutz angedeihen zu lassen." Aber ehe er diesen seinen Willen kündgab, ehe er in feierlicher Stunde sein Wort einsetzte, allen Religionsbekenntnissen seinen Schutz zu. gewähren, waren die deutschen Juden von banger Sorge nicht frei. Denn es hatte^) „die Mythenbildung gerade in diese Zeit^) der Läuterung und Erbauung die schlimmsten Gedanken und schwärzesten Pläne des schnöde Verkannten verlegt". Sahen doch die „königstreuen Antisemiten" in dem zukünftigen Herrscher, nach seiner Teilnahme an der bekannten Versammlung bei dem Grafen Waldersee (am 28. November 1887), eine „Geißel der Juden". Aber frei von „Parteibestrebungen und Parteiinteressen, die seiner Ratur widerstreben und widerstreben müssen1), durch den Anblick des Kulturkampfes mit seinen trübseligen Folgen in seinem natürlichen Eünn für Billigkeit und religiöse Duldsamkeit bestärkt"^), bereitete er, der „von dem bürgerlich liberalen Vater 1) Dr. G. Hinzpeter: Kaiser Wilhelm II. Eine Skizze nach der Ratur gezeichnet. Bielefeld, Velhagen und Kläsing. S.-3. 2) Hinzpeter: a. a. O. Seite 9. 2) Das ist die Zeit, wo des Prinzen Herz von tiefem Weh um Großvater und Vater erfüllt war. 4) Hinzpeter: a. a. O. Seite 10. 5) Hinzpeter: a. a. O. Seite 11/12.