Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Berlin / K.
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 267 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316834--23577-2347307- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 267 Wurde, fyat evtiävt, daß das „Westfälische Sonntagsblatt" zwar in Bethel gedruckt, aber von keinem dortigen Herrn redigiert wird. Die Stellung der Anstalten in Bethel zu den Juden werde dadurch charakterisiert, daß sich dort eine ganze Anzahl jüdischer Patienten befinden. In welchem Lichte aber erscheinen die Herren Pastoren P. Husemann-Blasheim und P. Jordan- Detmold, die kein Gefühl haben für die schändlichen Machenschaften des Majors du Paty de Clam, kein Gefühl für die unsäglichen Qualen eines unschuldig Verurteilten und die niedrige Gesinnung seiner bestialischen Peiniger, die längst der Verachtung der ganzen gesitteten Welt preisgegeben sind. — Vor kurzem erschien eine von Alex Vrenfcheidt in Dortmund gedruckte Broschüre „Vom Juden zum Christen, ein harter Kampf", herausgegeben von S e m i A b r a h a fm. Das Schriftchen enthält die Geschichte des Rebertritts eines Juden zum Christentum und ist ein Machwerk übelster Sorte. An zahlreichen Stellen sind heftige Ausfälle gegen einzelne Juden und jüdische Einrichtungen vorhanden, insbesondere betont der als Jude geborene Verfasser begeistert die Ideale der christlichen Weltanschauung im Gegensatz zu dem jüdischen Materialismus. Dieser ideale Verfasser ist keine erfundene Figur, wie vielfach angenommen wurde, sondern eine der Bremer jüdischen Gemeinde wohlbekannte Persönlichkeit. Er ist erheblich vorbestraft, zuletzt wegen Betruges im strafschärfenden Rückfall und wegen Urkundenfälschung, nachdem er bereits vorher wiederholt wegen derselben Vergehen zu Gefängnisstrafen verurteilt war. Die Tatsachen, welche der Verfasser der Broschüre angibt, um die Schändlichkeit der Juden im Gegensatz zu den ausgezeichneten Charaktereigenschaften seiner gegenwärtigen Glaubensgenossen zu betonen, find sämtlich in der gemeinsten Weise erfunden. Außerdem beweist Semi Abraham eine derartige Unkenntnis der jüdischen Gebräuche und Gesetzesvorschriften, daß es wohl begreiflich ist, wenn er seine Kinder mit Begeisterung der christlichen Religion zuführte. Eine Widerlegung im einzelnen erübrigt sich bei der Art dieses Machwerks. Es dürfte noch interessieren, daß dieser Vorkämpfer christlicher Ideale dem von ihm bekämpften materiellen Judentum überhaupt sein Dasein zu verdanken hat. Eine ihm zuteil gewordene Begnadigung verdankt er der Fürsprache des Rabbiners, der sich des kranken Mannes nach seiner Entlassung menschenfreundlich annahm, nachdem er ihn im Gefängnis pflichtgemäß und darüber hinaus seelsorgerisch zu beeinflussen gesucht hatte. Jahrzehnte hindurch hat der jetzige Missionsschriftsteller die Wohltätigkeit der jüdischen Gemeinde in Bremen ausgiebig genossen. Der von dem Verfasser in der unerhörtesten Weise angegriffene Vor-