Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Berlin / K.
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 268 (sequence 5)
- Language
- German
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268 Im.deutschen Reich. stand der jüdischen Gemeinde zu Bremen hat sogar noch nach der Taufe Semi Abrahams der armen Familie beträchtliche Unterstützungen zuteil werden lassen, weil sie sonst verhungert wäre. Allein schon hieraus kann man einen Schluß aus die Glaubwürdigkeit dieses Missionsschützlings ziehen, der jetzt seine Wohltäter öffentlich schmäht. Diese Feststellungen genügen, um dem Missionsäpostel Semi Abraham und seinem Machwerk die gebührende Schätzung aller objektiven Kreise zu sichern. K. Frankfurt a. M., 10. April. Die antisemitische Auffassung des ehemaligen Gouverneurs vonOstasrika, Generalleutnant z. D. v. L i e b e r t, die dieser als Mitglied der Reichspartei bei der Beratung der Wehrvorlage im Reichstage getan hat, veranlaßt die „Frankfurter Zeitung" zu der nachstehenden Bemerkung: „Eben haben wir wieder gesehen, daß ein Mitglied der Reichs- Partei, die sich sonst auf Toleranz etwas zugute tut, es rundweg zurückgewiesen hat, daß die Ausschließung der Juden aus dem Offizierskorps aufhören solle, indem er dabei von Einführung von Fremdkörpern in das Offizierk o r p s sprach. Damit ist die grundsätzliche Ausschließung der Juden aus dem Offizierkorps, also die bewußte Verletzung der Verfassung ausdrücklich zugestanden. Mag der Kriegsminister und mögen andere Mitglieder der Regierung das noch so entschieden bestreiten, die Tatsachen sprechen laut und deutlich - genug. Die taktlose Aeußerung ist kennzeichnend für den Geist dieses Mitgliedes des Reichstages, das bisher keine Proben besonderer Befähigung und Eignung für das Offizierkorps abgelegt hat. Vor hundert Jahren, als jeder Waffenfähige für die Befreiung des Vaterlandes mitkämpfte, hat man nicht nach der Konfession' gefragt, und da eroberten sich auch Juden durch ihre Tapferkeit und Fähigkeit Eingang in das Offizierkorps, und auch bei den späteren Kriegen haben sie es nie an sich fehlen lassen. Wenn jetzt, wo man vom Volk in Waffen spricht, die Standesvorurteile in alter Starrheit aufrechterhalten werden sollen, ist es eine sehr dringende Forderung, daß die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung endlich zur Wahrheit gemacht wird." — In der Innenstadt von Frankfurt a. M. waren kürzlich mehrfach kleine Zettel mit nachstehendem Aufdruck angeklebt: ,,20 Prozent und mehr bringt das Börsenpapier dem Juden,- kaum 3 Prozent dem deutschen Bauern die mühsam bearbeitete Scholle!" Daß der Antisemitismus der Sozialismus der dummen Kerle ist, wie seinerzeit behauptet wurde, scheint durch diese Zettel bestätigt zu werden,- denn nur einem „bodenlos dummen Kerl" ist es unbekannt, daß die ländlichen Grundstücke in den letzten