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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 261

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Antisemitismus in der Schule
Date
1913-05-01
Page
261 (sequence 7)
Language
German
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Antisemitismus in der Schule. 261 semitischen Charakter haben, so z. B. die deutsche Geschichte von Linhart, deren Verfasser der Führer der Alldeutschen, Rechtsanwalt Llaß in Mainz ist; ferner ein Buch: Angewandte Geschichte von Dr. Heinrich Wolf, Professor am Städtischen Gymnasium in Düsseldorf. In diesem Buche heißt es wörtlich: „Sie (die Juden) regen die öffentliche Meinung auf, wenn irgendwo einem Juden ein wirkliches oder vermeintliches Anrecht geschieht. Andrerseits sind die Leute, die ein so ausgeprägtes Nationalbewußtsein haben, die lautesten Vertreter des Internationalismus und bekämpfen bei uns aufs Entschiedenste alle deutsch-nationalen Bestrebungen." Derselbe Verfasser, der die Juden so entschieden als besondere Ration bezeichnet, hält es für einen Fehler, den Angehörigen fremder Nationen die Gleichberechtigung in Deutschland zu gewahren. Gegen diese nichteingeführten Schulbücher wird sich unsrerseits wohl kaum mehr tun lassen, als daß wir darauf ächten, daß sie nicht in die Schülerbibliotheken kommen und dadurch einem größeren Kreise zugänglich gemacht werden. Damit aber, m. V., habe ich ein neues bedeutsames Kapitel berührt, nämlich das Kapitel: Schülerbibliotheken und Jugendliteratur. Bei den Bestrebungen der Iugendschriftenbewegung, nicht nur die Schundliteratur, sondern auch die ausgesprochenen Tendenzschriften von der Jugend fernzuhalten und ihr nur künstlerisch Gediegenes zu bieten, ist die Gefahr, ausgesprochen antisemitische Bibliotheksbücher zu finden, gemildert, wenn auch nicht beseitigt. Denn die darüber Wachen, daß ungeeignete Lektüre nicht in die Hände der Jugend kommt, haben, selbst die beste Absicht vorausgesetzt, nicht die feine Witterung dafür, was uns herabsetzt und in unserer Ehre kränkt. Darum ist es notwendig, daß jüdische Lehrer und Schüler und Eltern ihr Augenmerk auf die Bibliotheken richten und darauf hinwirken, daß jedes Buch, das eine derartige Tendenz besitzt, aus der betreffenden Schülerbibliothek entfernt wird. Jedem berechtigten Antrag wird und muß von den Bibliotheks- Verwaltern stattgegeben werden. Auch müßte Titel und Verlag der Schrift, unserer Zentrale in Berlin gemeldet werden, bei der sich, wie ich mit Genugtuung aus den Akten ersehen habe, eine Schulbücherkontrolle im Ausbau befindet. Ist die Arbeit vollendet, dann muß sie den in Deutschland bestehenden Iugendschriften-Kommissionen, sowie sämtlichen Direktoren und Schuld ibliotheks-Verwaltungen zugestellt werden. Aber auch außerhalb der Schule wird heute, und zwar häufig durch Lehrer der Schule selbst, eine antisemitische Beeinflussung der Schüler versucht, indem man sie einem sogen. Hammerbund zuführt und sie veranlaßt, sich die Zeitschrift dieses Bundes, den „Hammer" von Fritzsch zusenden zu lassen. Da, wo uns dies bekannt wird, ist es unsere Pflicht, die Direktoren der Schulen darauf aufmerksam zu machen, und wenn etwa nötig, das Provinzialschulkollegium. Denn es mag eine Schulleitung oder Schulbehörde zur Iudenfrage stehen wie sie wolle, eine solche niederträchtige demagogische Hetze, wie sie im „Hammer" betrieben wird, muß sie in jedem Falle von der ihr anvertrauten Jugend fernzuhalten suchen. M. H.! Vom „Hammer" und Hammerbund gehe ich zu einem Kapitel über, das uns in eine ganz andere Sphäre führt, die, rein äußerlich betrachtet, uns nichts angeht, die daher größtenteils von uns umgangen Wird, die wir aber nicht umgehen dürfen, Wenn wir den Mut der Wahrhaftigkeit für uns in Anspruch nehmen. Es handelt sich nämlich um den christlichen Religionsunterricht, den wir mit dem Takte behandeln wollen, welchen wir selbst von Anders-

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