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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 260

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Antisemitismus in der Schule
Date
1913-05-01
Page
260 (sequence 6)
Language
German
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260 Im deutschen Reich. hin 75, die größtenteils an städtischen Anstalten wirken; und zwar wirken -in Berlin 52, in Charlottenburg 4, in Frankfurt a. M. 4, in Breslau 3, in Kattowitz 3, in Posen, Bromberg, Magdeburg, Grandenz, Allenstein, Wittstock, Danzig, Crossen, Cassel je 1. Ohne jüdische Oberlehrer bleiben also ganze Provinzen wie Hannover, Rheinland, Westfalen, Schleswig-Holstein, Pommern; Provinzen, die Städte mit starker jüdischer Bevölkerung haben, wie Hannover, Cöln, Düsseldorf, Elberfeld, Dortmund, Stettin usw. usw. Ich will auf die Gründe dieser eigentümlichen Erscheinung nicht eingehen. Jedenfalls erheischt dieses Manko gegenüber anderen Provinzen in Zukunft unsere besondere Aufmerksamkeit, und jedenfalls dürfen wir es der Schulverwaltung allein nicht zur Last legen. Weshalb ich aber in diesem Zusammenhänge darauf Hinweise? Weil ich glaube, daß, wenn überall da, wo augenblicklich noch jüdische Oberlehrer fehlen, geeignete Persönlichkeiten wirkten, ein gut Stück Antisemitismus aus den Schulen schwinden würde, ja, mehr als dies: die Achtung vor dem Judentum würde gewinnen und bei Lehrern und Schülern wachsen. Bevor ich zu dem Kapitel: Lehr- und Lesestoff in den Schulen übergehe, will ich der Aebersicht halber noch einmal kurz wiederholen. Ich führe den Antisemitismus der Lehrer auf zwei Momente zurück, ein ideologisches und ein soziologisches. Das erste ist größtenteils in der heute herrschenden Rassentheorie zu suchen, das zweite in der Stellung, die gerade der Lehrerstand in der sozialen Struktur unseres Volkes einnimmt, die ihn mit Juden wenig in Beziehung bringt. Eine Aenderung verspreche ich mir, wenn durch wissenschaftliche Literatur und liberale Presse eine Aenderung in der Weltanschauung des Lehrerstandes sich vollzieht und wenn durch eine stärkere Zuwendung von geeigneten Persönlichkeiten aus unserer Mitte die seitherige Abschließung der Lehrer von den Juden aufhört. And nun gehe ich zum Lehr- und Lesestoff über. Was zunächst die offiziellen Lehrbücher anlangt, so dürfte bewußter Antisemitismus darin kaum zum Ausdruck kommen, schon darum, weil die Schulbehörden die Genehmigung zur Einführung nicht erteilen würden. Das Rückertsche.Gedicht vom Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt, und das den Juden als goldgierig darstellt, ist ja schon viel erörtert worden. Die Fortlassung dieses Gedichtes aus den Lesebüchern muß von uns stets erstrebt werden; die deutsche Jugend wird an demselben nichts verlieren. Zu beachten sind ferner geographische Lehrbücher, die oft den Juden eine eigentümliche Stellung zuweisen, indem wir etwa hinter den Zigeunern als Erdbewohner rangieren. Es genügt hier oft, den Verleger darauf hinzuweisen, um eine Abänderung zu erzielen. In Geschichtsbüchern wird oft gutes Christentum als zum Deutschtum erforderlich bezeichnet, obwohl die Juden, die im Kampf fürs deutsche Vaterland gefallen sind, ihr Deutschtum durch Blut besiegelt haben, während die betreffenden v er ehrlichen Verfasser der Geschichtsbücher mit Tinte dem Deutschtum dienen. Vor allem aber vermisse ich in allen Schulgeschichtsbüchern die Erwähnung der Iudenemanzipation im Jahre 1812 und die gleich darauf folgende freiwillige Teilnahme der Juden an der preußischen Erhebung im Jahre 1813, die für^ den Geist jener Zeit ebenso bezeichnend ist, wie die Tatsache, daß Frauen und Jungfrauen ihr Haar darbrachten auf dem Altar des Vaterlandes. Aber wenn auch die offizielle Schulliteratur uns wenig Anlaß zur Beanstandung bietet, um so mehr die inoffizielle. Da sind zunächst gewisse geschichtliche Handbücher, die zur Vorbereitung viel gebraucht werden und die oft einen alldeutschanti-

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