Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Geschäftsbericht und Diskussion
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 250 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316829-2316834-2347162--23554-2347290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
250 Im deutschen Reich. Etwa 14 Sage vor der Wahl veranstaltet sodann die Ortsgruppe eine Mitgliederversammlung) zu der auch diejenigen Vertrauensmänner oder von den Vertrauensmännern mit Namen bezeichnten Gehilfen, die noch nicht Mitglieder des Vereins sind, eingeladen werden ^und in der von kompetenter Seite (in diesem Jahr war es Herr Max Eisenkrämer, der selbst Kaufmannsrichter war, und Herr Rechtsanwalt Dr. Geiger) die Bedeutung der Kaufmannsgerichtswahlen dargelegt wird. In dem Einladungszirkular zu dieser Sitzung müssen die kaufmännischen Vereins Mitglieder besonders apostrophiert werden. Einige Sage vor der Wahl ergeht sodann an alte in unserer Kartothek verzeichneten Gehilfen ein Wahlaufruf, der eine Charakteristik der Bestrebungen des D. £j>. V., einen Appell zur Beteiligung an der Wahl und eine genaue Angabe der Wahlbezirke und Wahllokale enthält*). In dem gleichzeitig, ebenfalls in geschlossenem Kuvert, den jüdischen Firmeninhabern zugehenden Zirkular werden diese aufgefordert, ihre jüdischen Angestellten zur Beteiligung an der Wahl zu veranlassen. Für den Wahltag selbst werden die erforderlichen Hilfskräfte, wir hatten diesmal 100 Freiwillige, teils durch Werbung von Mund zu Mund, teils durch persönliche Anfragen bei den Prinzipalen, gewonnen. Besonderer Wert ist ferner darauf zu legen, daß auch junge Damen zur Mitarbeit herangezogen werden. Und standen dieses Jahr etwa 40 junge Mädchen zu Gebote, die aus dem persönlichen Bekanntenkreis der Mitglieder der verschiedenen Kommissionen, insbesondere der jüdischen Gehilfen selbst, zum Seil durch persönliche Rücksprache, zum Seil durch Zirkulare gewonnen waren. Einige Sage vor der Wahl werden alle Vertrauensmänner, alle Wahlhelfer und Wahlhelferinnen zu einer nochmaligen vertraulichen Besprechung zusammenberufen und die Rollen für den Wahltag verteilt. Für diesen besorgen wir uns durch private Rücksprache geeigneter Mitglieder eine möglichst große Anzahl Automobile jüdischer Kaufleute. Am Wahltag unterhalten wir außer einem Zentralbureau, das sich in dem Lokal des Vereins „Montefiore" dieses Fahr befand und über alle die Wahl betreffenden Angelegenheiten Auskunft erteilt, in allen Wahlbezirken, in denen eine größere Anzahl jüdischer Gehilfenwähler vorhanden sind, Bezirksbureaus, die nach dem Vorbild der politischen Parteien auf Grund der vorhandenen Bezirks- Kartothek das Schleppgeschäft besorgen, die Wähler in den Wahllokalen kontrollieren, Stimmzettel für alle mit dem D. H. W konkurrierenden Parteien, sowie Legitimationsformulare zur Verfügung halten. Jedes derartige Bureau muß mit mindestens acht Leuten, Damen und Herren, besetzt sein. Für diejenigen Bezirke, in denen nur eine geringe Anzahl jüdischer Gehilfenwähler festgestellt ist, wird das Schleppgeschäft mit Kontrolle von der Zentrale oder von einem benachbarten Bezirksbureau aus betrieben. Die Geldbeschaffung erfolgte im Wege der Sammlung, teils durch die an unserem Kaufmannsgerichtswahlkampf teilnehmenden Gehilfen, teils durch Vorstandsmitglieder. In dieser Weise ist es uns gelungen, die Wahlbeteiligung außerordentlich zu steigern, den D. H. V. zurückzudrängen, andererseits aber auch eine große Anzahl junger Kräfte für die Arbeit des Centralvereins .lebhaft zu interessieren. *) Eine Abschrift des Zirkulars an die Chefs und Handlungsgehilfen sind wir gern bereit, unseren Ortsgruppen zur Verfügung zu stellen.