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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 246

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Diskussion
Date
1913-05-01
Page
246 (sequence 23)
Language
German
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246 Im deutschen Reich. „Zionismus". Die Frage des Zionismus werden wir nicht lösen. Es kommt darauf an, das Verhältnis des Centralvereins zu den Zionisten zu regeln, die bei uns sein sollen. Was ferner die Wanderung des vierten Absatzes der Resolution im Sinne des Herrn Professor Lewin anlangt, der statt der nationalen Gesinnung eigentlich wieder nur das Staatsbürgertum betont, so ist das das Gegenteil von dem, was wir sagen, wollen,- lehnen Sie das ab! Ich bitte Sie deshalb darum, die Resolution, die das lang erwogene Ergebnis sorgfältiger Arbeit ist, nicht abzuändern, sondern en bloc anzunehmen, wenn Sie mit dem Grundgedanken einverstanden sind. Lassen Sie mich nur noch zwei Worte sagen. Zuerst meinem lieben Kollegen Auerbach. Er hat schließlich unterschieden zwischen Heißspornen und Leisetretern. Da er sich zu den Heißspornen zählt, muß ich den Leisetreter auf mich nehmen. (Iustizrat Auerbach: So war es nicht gemeint.) Ich nehme das nicht übel. Ich habe mir redliche Mühe gegeben, einen Modus zu finden, auf welchem Brüder zusammen leben können. Wenn Herr Dr. Weil sagt, daß wir mit Zionisten nicht leben können, so halte ich das nicht für richtig. Wenn das Baseler Programm vom jüdischen Volk spricht, so ist das mit unserer Auffassung von den Nuancen des Zionismus nicht unvereinbar. Weshalb sollen wir die Zionisten zurückweisen, di" sich doch trotz der Baseler Definition als deutsch-national fühlen? Herr Auerbach hat sein Wort, daß man den Zionismus verfluchen werde, in dieser Form zurückgenommen, aber er meinte, er sehe im Zionismus doch eine große Gefahr und einen großen Schaden. Meine Damen und Herren! Denken Sie aber auch daran, daß er auch Lichtseiten hat. Für uns ist nichts schlimmer als Indifferentismus und Stagnation. (^)ehr richtig!) Wer uns hilft, jüdischen Stolz und jüdisches Selbstbewußtsein zu heben, dem können wir nur dankbar sein. (Bravo!) Für uns ist das Sichbewegen, die Bewegung an sich^«so sehr ein Segen, daß mir selbst die falsche Bewegung lieber ist wie die Ruhe und Stagnation. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen die, die zu uns kommen, nicht von uns weisen, wir haben schließlich viel Gemeinsames mit ihnen. Es ist nach meiner Auffassung hie denkbar günstigste Lösung, die wir gefunden haben. Nicht daß wir dem Zionismus ein anderes Gesicht geben, sondern wir uns ,an die Nuancen des Zionismus halten, die tatsächlich bestehen. Für die Zionisten, für die deutsches Nationalbewußtsein und jüdische Stamm es gem ein schast vereinbar ist, Haben wir die Möglichkeit der Mitarbeit geschaffen. Deshalb bitte ich Sie, das Wort „nur" nicht zu streichen. Mit dem, der sich natronal nur als Jude fühlt, können wir nicht Zusammengehen. In dem Sinne bitte ich Sie abzustimmen, daß wir nicht spalten, sondern einigen wollen und nur das trennen, was getrennt werden muß. (Bravo!) Der Vorsitzende verliest nochmals alle Abänderungsanträge und läßt über die einzelnen Anträge abstimmen. Sie werden alle gegen ganz wenige Stimmen abgelehnt, die Resolution selbst wird in folgender Fassung mit allen gegen eine Stimme angenommen. Der Ccntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bezweckt nach 8 1 seiner Satzungen, die deutschen Juden ohne ^Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung sowie in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken.

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