Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Diskussion
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 241 (sequence 18)
- Language
- German
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Diskussion. 241 grüße ich in der Resolution das scheinbar unschuldige, aber doch bedeutungsvolle einsilbige Wort „nur". Das heißt, wenn einer sagt, daß er deutsches^ Empfinden hat, wenn er deutschnational denkt und in einer Weise, die wir vielleicht nicht begreifen können — ich begreife es auch nicht ganz —, sich doch national als Jude fühlte so können wir das nicht nachprüfen, so müssen wir sagen: Er fühlt sich als Deutscher, er ist uns willkommen, wenn er sich auch in anderen Fragen als Rationaljude fühlt — ein Gefühl, das ich nicht habe, ich habe nur aus religiösen Gründen das religiöse Gefühl als Jude, ein.viel höheres Gefühl, denn intellektuell seelische Gemeinschaft ist etwas viel Höheres als bloß gemeinsames Stammesgefühl. Aber wir sind nicht hier, um unser Verhältnis als Staatsbürger den Zionisten gegenüber zu lösen. (Bravo!) And da sagen wir: Das ist unser Bekenntnis, willst du Zionist bei uns sein, bist du ein ehrlicher Mensch — wir zweifeln nicht an deiner Gesinnung —, dann sollst du mit uns arbeiten; willst du unsere Ansicht nicht teilen, dann mußt du dich von uns entfernen. Wir würden unsere eminent wichtige, ernste Versammlung fruchtlos verlaufen lassen, wenn wir hier die allgemeine Frage des Zionismus lösen wollten. Hier muß es heißen: Können wir die Resolution annehmen? Rach meiner Meinung können wir sie mit ruhigem Gewissen annehmen. Das andere überlassen wir den Zionisten, darüber haben wir nicht zu reden (Sehr richtig!), ob die Zionisten darauf eingehen oder nicht. Gehen einige darauf ein, wird es uns freuen, gehen sie nicht darauf ein, werden wir es bedauern. Ich glaube, in der Resolution ist der Mittelweg gefunden, in der wir unser deutsches Rationalgefühl zum Ausdruck bringen, aber auch denjenigen willkommen heißen, der in einzelnen Dingen anders fühlt als wir, denn über Gefühle läßt sich nicht streiten. (Lebhaftes Bravo!) Herr Rechtsanwalt Dr. Marcuse, Stettin: Ich habe den Antrag gestellt, den Absatz 4 der Resolution lauten zu lassen: „Soweit die deutschen Zionisten danach streben, den entrechteten Juden — nun sollen die Worte „des Ostens" gestrichen werden — eine gesicherte Heimstätte zu schaffen oder den Stolz des Juden auf seine Geschichte und seine Religion zu heben, ist er unch als Mitglied willkommen. Von dem Zionisten aber, der ein deutsches Rationalgefühl leugnet, sich als Gast im fremden Wirtsvolk und national nur als Jude fühlt, müssen wir uns trennen." Ich befinde mich, glaube ich, mit diesem Antrag im wesentlichen in Aebereinstimmung mit den Erwägungen, von denen aus soeben Herr Rabbiner Or. Werner gesprochen hat und von denen -auch Herr Geheimrat Fuchs gesprochen hat. Er hat das Hauptgewicht auf das subjektive Moment gelegt, entscheidend soll einzig und allein sein: wer sich selbst als Deutscher fühlt, wer Deutschland als feine Heimat betrachtet, der ist uns willkommen.. Wer anders denkt, wer sich nur als Jude fühlt, nur jüdisches Rationalempfinden hat, den können wir nicht brauchen. Von dieser Erwägung aus müssen meines Erachtens die Worte „des.Ostens" gestrichen werden. Ich kann es vollkommen verstehen, daß jemand, der Zionist ist — ich selbst bin nicht Zionist —, auf dem Standpunkt steht: Ich will eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte gründen, nicht nur für. die Entrechteten im Osten, sondern auch für diejenigen, die sich entrechtet fühlen in anderen Ländern, in Frankreich, in Deutschland. Ich selbst wurzele in Deutschland, ich selbst bin Deutscher, aber den anderen kann ich nicht helfen. Aus diesen Erwägungen heraus, bitte ich die Worte „des Ostens" in der Resolution zu streichen. (Bravo!)