Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Diskussion
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 238 (sequence 15)
- Language
- German
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238 Im deutschen Reich. Aeußerungen von Männern, die im Zionismus an hervorragender Stelle stehen. Man muß in der Friedensliebe schon außerordentlich weit gehen, wenn man all das: Generalversammlungen, Ortsgruppen, zionistische Führer, einfach als Heißsporne bezeichnet, lediglich um nicht die Konsequenz seiner eigenen Anschauungen in einer vielleicht sehr harten Stunde, aber in einer Stunde, in der, geht man an die Losung des Problems, diese Konsequenz gezogen werden muß, zu ziehen. Was wurden Sie dazu sagen — ich will einen Vergleich, der nicht sehr weit liegt, wählen; Sie alle sind mehr oder weniger politisch tätrg oder organisiert: Man kann den Zionismus mntatis mutanäig mit dem Sozialismus in Parallele stellen, weil dort wie hier das gleiche eifrige Eintreten, die gleiche sehnsuchtsvolle Hingabe für eine Sache und damit verbunden ein gewisser Radikalismus zu finden ist. Auch in der Sozialdemokratie haben Sie verschiedene (Strömungen, Sie haben den Radikalismus und den Revisionismus. Was würden Sie dazu sagen, wenn bei Gelegenheit eines Abschlusses eines Wahlbündnisses mit Sozialdemokraten oder bei der Frage des Zusammengehens mit der Sozialdemokratie der konservative oder Zentrumswahlverein erklären würde: wir sind bereit, mit denjenigen in der Sozialdemokratie zusammenzugehen, die sich auf den praktischen Standpunkt des Revisionismus stellen, dagegen lehnen wir es ab, mit den Radikalen der Sozialdemokratie zusammenzugehen. (Zuruf: Sehr richtig! Sie schlagen sich mit Ihrem eigenen Bilde!) Ob das richtig ist oder nicht, darum handelt es sich hier nicht. Das eine ist vielmehr sicher, daß ein solches Angebot auf seiten der Sozialdemokraten mit Hohngelächter beantwortet würde, und so ist es mutatis nnmdi8 dasselbe, wenn Sie die in einer anderen Organisation vorhandenen differierenden Strömungen dazu benutzen wollen, zu sagen: mit der einen Strömung will ich Zusammengehen, die andere lehne ich ab. (Zuruf: Realpolitik!) Aus diesem Grunde schlagt unser Antrag vor, von der Definition abzusehen, wie. sie im Absatz 4 der Resolution enthalten ist, wobei ich darauf Hinweisen möchte, daß ich persönlich diese Definition an sich noch für außerordentlich mißverständlich, um nicht zu sagen, unlogisch halte. Es heißt nämlich im Absatz 4: soweit der deutsche Zionist danach strebt, das und das zu schaffen, ist er uns als Mitglied willkommen. Das stellt also, wenigstens kann man es so verstehen, eine Seite des deutschen Zionisten dar, das erfaßt nicht seine ganze Persönlichkeit, er kann, soweit er die gesicherte Heimstätte schaffen will, Mitglied des Eentralvereins sein, und soweit er — denn das läßt sich doch in einer Person sehr wohl vereinigen — darüber noch hinausgehl und das jüdische Polk anerkennt, was soll dann mit ihm der Fall sein? Eine derartige Vereinigung, zweier Seelen in einer Brust ist sehr gut denkbar. Es heißt allerdings im letzten Satz: von dem Zionisten, der deutsches Rationalgefühl leugnet und sich nur als Jude fühlt, müssen wir uns trennen; damit ist dieser Zionist in seiner Ganzh eit erfaßt. Es besteht also zwischen den beiden Kategorien der Resolution gar kein scharfer, logischer Gegensatz. Will man sich mit dem Zionismus auseinanderfetzen, so kann das nur so geschehen, daß in die Resolution das Parteigesetz des Zionismus, wie es im Baseler Programm zum Ausdruck kommt, ausgenommen wird. (Beifall.) Vorsitzender: Wir müssen uns trennen! (Heiterkeit.) Die Redezeit ist erschöpft! Herr Iustizrat Auerbach: Gestatten Sie, daß nach den kaltblütigen Naturen, die hier gesprochen haben, auch ein Heißsporn spricht, und zwar, wie ich zu meinem Bedauern konstatieren muß, ein entgleister Heißsporn — allerdings hat die Entgleijung bisher