Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Diskussion
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 233 (sequence 10)
- Language
- German
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Diskussion. 233 Herr Dr. Rieger: Herr vr. Herzfeld ist in den Fehler verfallen, irgendeine einzelne Aeußerung zu verallgemeinern. Der von ihm zitierte Herr ist ein kranker Mensch, der sicher mehr Mitleid verdient als Beachtung in unserm Kreise. Wenn aber eine Resolution hier eingebracht worden ist und mit soviel Energie vertreten wird, wie von den ersten beiden Rednern, so möchte man fragen: Liegt denn wirklich zu einer solchen Resolution tatsächlich Grund vor? Ich bin der Meinung, daß der § 1 unserer Satzungen so klar, so selbstverständlich ist, daß sich die Absätze 2 Und 3 der Resolution ohne weiteres erübrigen. Ich bin der Meinung, daß, wenn ein Zionist ün den Centralverein erntritt, er das Statut als solches anerkennen muß. Wenn ich mich einem Verein anschließe, so nehme ich das Statut des Vereins als solches an. § 1 des Statuts lautet aber ganz klar: „Der Centralverein bezweckt, die deutschen Juden ohne Anterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung sowie in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken." In diesem Paragraphen ist ausdrücklich hervorgehoben, daß sie auf das politische Bekenntnis der einzelnen Vereinsmitglieder keinerlei Einfluß ausüben wollen. Der politische Zionist ist also dem Centralverein ebenso willkommen wie der politisch nationale Deutsche oder politische Liberale oder politische Sozialdemokrat. Ich glaube, das Wort politisch im ersten Paragraphen ist so weit gefaßt, daß auch der politische Zionist recht wohl eingeschlossen werden kann. Wenn aber ein deutscher Zionist sich dem Centralverein anschließt) so muß er natürlich sich auch dem anschließen, was § 1 fordert, den Grundsätzen des ganzen Centralvereins, nämlich, daß er deutsche Gesinnung betätigen und sich der Pflege deutscher Gesinnung widmen will. Ich meine also, wenn es überhaupt notwendig ist, heute eine Resolution zu fassen, so genügt es, wenn die Resolution nur den Absatz 1 umfaßt und es daran anschließend heißt: „Soweit die deutschen Zionisten diesen Paragraphen unserer Satzungen anerkennen, sind sie uns als Mitglieder willkommen." Hieraus ergibt sich die Stellung des Centralvereins zu den Zionisten. Ein Zionist, der den § 1 nicht anerkennt, kann ja eo ipso nicht unser Mitglied werden. Anterwirft er sich aber diesem Paragraphen, so ist er uns willkommen. Ich habe dann noch eine kleine Bitte anzuschließen an das, was ich eben gesagt habe. Es ist notwendig, daß der Centralverein die Verbände und die Vereinigungen stärkt, welche gegen Ausartungen des nationalen Judentums entschieden Front machen. Ich meine z. B. die deutsch-jüdische Turnbewegung und vor allem der Allgemeine jüdische Iugendbund hätten vom Centralverein eine viel energischere Förderung zu verlangen, als er tatsächlich diesen beiden Verbänden zuteil werden läßt. Hier hätte der Centralverein einmal die Möglichkeit, auf die jüdische Jugend einzuwirken, denn die Gefahr liegt nicht etwa in dem, was Sie heute gehört haben, sondern auf einem ganz anderen Gebiet, nämlich darin, daß jüdische Verbände, die die Reutralität des deutschen Judentums vertreten, immer mehr die Mitglieder, und zwar gerade die jungen, uns entrissen haben. Hier hat der Centralverein die Wirkungen uns entrissen haben. Hier hat der Centralverein die wirkliche Ehrenpflicht, treu seinen Prinzipien, einzugreifen und Mittel flüssig zu machen, um diejenigen Verbände zu stärken, die ihm gemeinsamen Kampf des Judentums in den Pordergrund. stellen. (Bravo!) Es ist dringend notwendig in unserer Zeit, nicht zu spalten, sondern zu sammeln. (Bravo!) Sorgen Sie dafür, daß