Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Diskussion
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 232 (sequence 9)
- Language
- German
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232 Im deutschen Reich. Meine Herren, noch eine letzte Bemerkung: Wir wollen nicht in den Fehler verfallen, den wir unfern Gegnern immer so scharf rügen, den Fehler der unzulässigen Verallgemeinerung. Den Fehler macht aber auch die Resolution, die Ihnen vorgeschlagen wird, nicht. Wer auf dem StandpunkL des Herrn Professor Lewin steht, wer auf dem StandpunkL steht, den Herr Franz Oppenheimer in seinem bekannten Aufsatz „Stammesbewußtsein und Volksbewußtsein" vertreten hat, der ist unser Bruder, unser Freund, ist uns hochwillkommen. Wenn uns von zionistischer Seite die Behauptung entgegengeschleudert wird, wir seien es jetzt, die den Frieden störten, so möchte ich hier einen Satz aus diesem Aufsatz verlesen: „Mutet den amerikanischen, kanadischen, südafrikanischen, englischen, französischen, belgischen, holländischen, selbst den preußischen Juden zu, Rationalbewußtsein im Sinne des Ostjudentums zu haben, d. h. sich nur als Juden, als Rationaljuden und Kulturjuden zu betrachten, und die meisten weisen euch entrüstet die Tür! Änd mit Recht! Länder der Zuflucht sind ihnen oder ihren Vätern ihre Vaterländer gewesen, haben ihnen Sprache und Sitte, Wohlstand und Bildung, staatliche Gleichberechtigung und oft genug volle oder fast volle bürgerliche Gleichberechtigung gegeben. Gin schlechter Mensch, ein unnatürlicher Mensch, wer das vergessen kann! Was wahrhaftig lebendig ist, schlägt da Wurzel, wo es lebt; wer in einem Rechtsstaate leben kann, als Bürger leben kann, der verdient allen Haß, wenn er nicht mit Liebe dankt! Sogar die ausgewanderten Russen drüben, sobald sie nur aufatmen können aus dem Druck des Lastend, werden Patrioten — und wir sollten uns als Fremde fühlen, als Rur-Gäste in Ländern, in denen seit vierzig Generationen die Grabsteine unserer Väter stehen?" Wenn infolge der heutigen Aussprache die Aussprachen im Lande kommen werden, und sie bleiben ja nicht aus, dann, meine Herren, bitte ich Sie, mit diesen Worten des Zionistenführers Oppenheimer den Standpunkt zu rechtfertigen, den wir heute einnehmen. Den Antrag Weil und Genossen, der die Resolution in ihrem vierten Absatz ändern will, bitte ich Sie, nicht anzunehmen. Es kommt nicht auf das einzelne Wort in dieser Resolution an. Ich darf sagen, sie ist nach einer Ansumme von Vorarbeit mit der größten Vorsicht, vielleicht sogar hier und da mit zuviel Vorsicht, aufgestellt und ausgearbeitet worden. Auf die einzelnen Worte kommt es nicht an, das Entscheidende ist doch allein der Sinn, der in der Sache liegt. And dieser ist klargelegt in der Resolution, um deren Annahme ich Sie bitte. (Lebhafter Beifall.) Vorsitzender: Es sind weitere Abänderungsanträge eingegangen. Gin Antrag des Herrn Rechtsanwalt Marcuse von der Ortsgruppe Stettin geht dahin, es sollen im Absatz 4, Zeile 2, die Worte „des Ostens" gestrichen werden. Ferner ist ein Antrag zur Geschäftsordnung eingegangen. „Rach Anhörung der bis jetzt vorgemerkten Redner die Redezeit auf 5 Minuten festzusetzen." Ich bitte diejenigen, die dafür sind, die Hand zu heben. — Der Antrag ist einstimmig angenommen. Ich denke, es wird diese einstimmige Annahme schon auf die jetzt vorgemerkten Redner einen gewissen Schatten vorauswerfen. (Heiterkeit.) Von Herrn vr. Rieger ist ferner der Abänderungsantrag eingegangen, den Absatz! 2 und 3 sowie den Schlußsatz der Resolution zu streichen.