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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 231

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Diskussion
Date
1913-05-01
Page
231 (sequence 8)
Language
German
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Diskussion. 2:u Professor Lew in recht, daß wir nicht — und das hat auch keiner der Referenten getan — das, was ein einzelner irgendwo einmal gesagt hat, hier zur Unterlage nehmen sollen. Aber was die offizielle -Vertretung des Zionismus, einmütig noch dazu, beschlossen hat, daran können wir doch nicht achtlos vorübergehen. In dem Versammlungsbericht über den Delegiertentag in Posen heißt es: Ls stand unser Verhältnis zu anderen Organisationen nicht auf der Tagesordnung, und doch gab es diese Debatte — ich zitiere wörtlich —, „und einmütig war man der Meinung, daß all unsere Kompromisse uns nur kompromitiert hätten" (Hört! Hört!), einmütig war man der Meinung, daß wir dadurch die nationale Idee verwässern, einmütig war man der Meinung, daß unsere Mitglieder nur zu kontrollierenden und informatorischen Zwecken in anderen Organisationen — wer gemeint ist, ist klar — bleiben sollen. (Hört! Hört!) Ich meine, meine Herren, daß, wie ganz richtig Herr Geheimrat Fuchs gesagt hat — dem ich in allen Punkten seiner Darlegungen bis auf eine Schlußbemerkung folge daß der Wille entscheidend ist. And wenn uns da entgegengehalten wird, wir wollen die Trennung von euch, wir wollen — wie es in einem Aufsatz der Jüdischen Rundschau ausgesprochen ist — die Kluft zwischen Zionisten und Antizionisten nicht überbrücken, sondern vertiefen, wir wollen den Zionisten in seinen Gedankenkreis einkapseln, daß er gewappnet ist gegen alle Anfeindungen von außen, gegen jeden Zweifel von außen — wie der traditionelle Jude im Gesetz gesichert ist gegen jede Anfeindung —, dann können wir nicht anders als hier Stellung nehmen, klar Stellung nehmen, wenn wir uns auch diese Stellungnahme — es geht mir so undwird den meisten von Ihnen so gehen — außerordentlich schwer und nach langen inneren Kämpfen von der Seele ringen. (Sehr richtig!) Wenn wir unter diesen Amständen und angesichts dieser Angriffe noch weiter die strenge Neutralität üben würden, was würden wir tun als uns versündigen an unserm programmatischen Grundgedanken: wer angegriffen wird, muß sich wehren. Der Oeffentlichkeit gegenüber sind wir schuldig, mit der Wucht dieser Versammlung gar keinen Zweifel darüber zu lassen, wie wir das Verhältnis des Judentums in Deutschland auffassen. (Sehr richtig!) Ein Zionist ist es gewesen und nicht wir, der die Debatte im „Kunstwort" entfesselt hat. Neulich habe ich in einer ganz frisch erst aufgetauchten Zeitschrift „Die kritische Tribüne" Ausführungen von einem Zionisten gelesen, der sagt: „Es gilt zu verhindern," — hören Sie, meine Herren daß die Iudenheit den zukünftigen Europäern ein Hemmnis würde. . . . Die Juden sind noch nirgends europäisch kultiviert, sie haben nur Teilfaktoren einer Kultur entwickelt, keine geschlossene Art ihres Daseins. Darum ihre Zerrissenheit, ihre Anfruchtbarkeit. Europa ist ihnen um ein Stück voraus, darum auch die Verachtung, der Haß, der auf ihnen lastet." Wir würden uns versündigen an der Pflicht, die wir als Leiter und die Sie als Gesetzgeber im Centralverein übernommen haben, wenn wir nicht öffentlich, zu diesen Erklärungen, die der Oeffentlichkeit gegenüber abgegeben sind, Stellung nehmen. (Bravo!) Ich bin keine Kampfnatur, ich habe trotzdem -manchen Kampf in meinem Leben nur aufgenommen, weil ich ihn als Pflicht erkannt habe. Der Entschluß zu diesem Kampfe ist mir aber am schwersten geworden. Jahrelang ist das Problem auch mir ein gärendes, ein immer von Zweifeln durchsetztes gewesen, bis diese letzten Ereignisse im Zionismus mir sagten: das geht nicht, es muß eine klare Aussprache stattfinden.

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