Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Diskussion
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 228 (sequence 5)
- Language
- German
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228 Im deutschen Reich. blick bekommen, ich weiß nicht, ob man sie ändern wird, ob Sie sie ändern wollen, aber m. H., lassen Sie sich doch gesagt sein, daß Sie mit Ihrem Kampf gegen den Zionismus doch nichts Wesentliches erreichen werden. (Oho!) Natürlich, das weiß ich, jeder denkt, wenn er einen Kampf führt, daß er ihn glücklich zu Ende führt, das ist selbstverständlich, ich auch natürlich. Aber ich will nur folgendes zu bedenken geben: Glauben Sie wirklich, daß Sie mit der Betonung des deutsch-nationalen Gedankens, wie er sich in letzter Zeit innerhalb der jüdischen Reihen so sehr geltend macht, glauben tL)ie wirklich, daß Sie damit bei unseren Gegnern etwas erreichen? (Zuruf: Wollen wir ja gar nicht!) (Zuruf: Sicher!) Sie sind Optimisten. Das ist ja sehr schön, aber i ch glaube nicht daran. Ich glaube nicht daran, daß wir mit dem Betonen des deutsch-nationalen Gedankens erreichen werden, daß die anderen ihr Gefühl gegen uns ändern. Wir werden nur zu einem Modus vivendi kommen. (Zurufe.) Vorsitzender: Es hat immer nur einer das Wort. Herr Professor Dr. Carl Lewin (fortfahrend): Ich bin gern bereit, aufzuhören, vwenn die Herren es wünschen. (Nein! nein!) Ich sage, wir werden das nicht erreichen. Das ist eine persönliche Ansicht von mir, die ja für keinen maßgebend ist. Ich habe auch schon ausgeführt, wir müssen den Kampf führen in Rücksicht auf uns selbst und unserer Ehre, und in Rücksicht darauf sehe ich die Notwendigkeit des Lentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens durchaus ein, und wie die Herren ja wissen, bin ich immer loyal, vielleicht manchmal weniger aktiv, wie ich gewünscht hätte, aber immerhin noch aktiv an den Arbeiten des Centralvereins beteiligt gewesen. (Bravo!) Ich hätte das niemals getan, wenn ich ein Opfer meiner Aeberzeugung hätte bringen müssen, und das können Sie auch glauben, daß alle diejenigen aus dem Lager des Zionismus, welche den Kampf mit Ihnen geführt haben, sich immer gesagt haben, daß der Kampf von uns in dem Centralverein durchaus gemeinsam geführt werden kann. In dieser Hinsicht sind alle Zionisten sich einig. Aber die Zionisten sagen weiterhin, daß das jüdische Nationalgefühl, das sie vertreten, sie auch noch weiter zu denken, zwingt. Es zwingt sie, daran sich zu erinnern, daß das Geschick der Juden jedes Landes immer abhängig ist von dem Geschick der . Juden anderer Länder. Das können wir doch gar nicht leugnen, das sehen wir doch überall. Hetzen wir nach England, von dem. die „Frankfurter Zeitung^, wie doch gewiß für Sie maßgebend ist, in dieser Beziehung alsd unparteiisch schreibt, daß sich der gesellschaftliche und politische Antisemitismus trotz der Herrschaft dieser liberalen Regierung dort immer .mehr, geltend macht. Wenn das in England geschieht» dem Hort wes Liberalismus und der bürgerlichen Freiheit, und wenn in.Amerika der Antisemitismus Formen annimmt, die zum .Teil die. bei uns -üblichen weit überschreiten, dann müssen Sie .sich doch sagen^ daß das Geschick der Juden in den verschiedenen Ländern untrennbar verknüpft, ist, und daß in den Ländern, wo man das Wort Antisemitismus nur als Fremdwort kennt, die fremde Sprache sehr schnell erlernt wird, wenn nur 30 000 Juden aus einem anderen Lande einziehen. M. H.! Wenn Sie sich alle diese Zusammenhänge vor Augen führen, müssen Sie einsehen, daß man nicht nur das Recht, sondern die Pflicht hat, im Interesse der Juden.im eigenen Lande die Interessen der Juden insgesamt nicht aus den Augen zu verlieren, und wer dieser Ansicht ist, der wird auch volles Verständnis selbst für Aebertreibungen haben. Ich schließe: Wir sind, soweit ich die Verhältnisse kenne, durchaus bereit, im Rahmen der gegebenen Verhältnisse mit dem Central-