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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 227

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Diskussion
Date
1913-05-01
Page
227 (sequence 4)
Language
German
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Diskussion. 227 Wir deutsch-nationale Gesinnung nennen, vereinbar sind, wenn man nur das Wort deutsch-national nicht im chauvinistischen Sinne auffaßt, wie es leider Gottes von vielen Seiten in unseren Reihen geschieht. Wenn wir das deutsch-national nennen, was auch G o ldstein gesagt hat, daß wir mit unserm ganzen Herzen mit deutscher Kultur, deutscher Gesinnung, deutscher Bildung erfüllt sind und dies Land, in dem wir groß geworden sind, lieben — wenn wir das als Grundlage unserer Gefühle ansehen wollen, so müssen wir doch sagen, wir haben ja auch nicht die Absicht und auch nicht die Absicht gehabt, diese Gefühle zu revidieren. Wenn es Leute gibt, bei denen sich diese Gefühle revidiert haben, so sind wir dafür nicht verantwortlich zu machen. Weil wir aber glauben, daß die Lösung der gesamten Iudenfrage von den Geschicken des deutschen Judentums nicht so sehr berührt wird (Widerspruch), weil wir glauben, daß wir als deutsche Juden einen Kampf kämpfen, der im Grunde genommen für die Geschicke des Judentums als Ganzes nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein wird (Widerspruch), weil ich das glaube, darum sehe ich mich genötigt, ebenso wie mein Gefühl für Deutschland, mein Gefühl für das Judentum zu betonen in dem Sinne, daß ich sage, wir müssen, wenn uns das Judentum als Ganzes und nicht bloß in Deutschland am Herzen liegt, eine Form schaffen, die allen Juden möglichst menschenwürdige Verhältnisse — d. h. in dem Sinne, wie wir das im modernen Staat empfinden —- schafft, wo es keine Zurücksetzung, kein Zurückstoßen gibt. Wenn wir also den Begriff des „deutschnationalen^ und des „jüdisch-nationalen" in diesem Sinne — ich kann das natürlich nicht im Laufe einer kurzen Diskussion ausführen — fassen, dann können wir alle sehr gut miteinander arbeiten, denn es ist ja selbstverständlich, daß wir in Deutschland alle danach streben müssen, uns in keiner Weise zurücksetzen zu lassen. Der Unterschied zwischen Ost und West ist ja der, daß im Osten allerdings der Pogrom den Juden recht fühlbar macht, daß sie kein Vaterland haben, aber, meine Herren, für uns ist die seelische Bedrückung, die wir erfahren, vielleicht ebenso schlimm wie der Pogrom für die Ostjuden. Für uns ist das Bewußtsein, daß wir alle Kräfte doch für dies Land eingesetzt haben, daß wir jeden Tag versichern, jeden Tag beschwören, wir lieben dies Land, wir sind untrennbar mit seinem Geschick verknüpft, und daß dies alles doch gar nichts gilt, mindestens ebenso schlimm wie eine stete Lebensgefahr. Ich empfinde das wenigstens so. Meine Herren, wenn wir das alles berücksichtigen, dann werden wir sehr wohl verstehen können, daß Entgleisungen nach der Seite des übertriebenen jüdischen Ra- Lionalbewußtseins sehr leicht möglich und menschlich durchaus entschuldbar sind. Die Zionistische Vereinigung von Deutschland — ich bin nicht in ihrer Leitung, bin auch nicht an ihrer Leitung beteiligt, habe auch keinen Einfluß auf ihre Leitung, ich spreche hier nur ganz persönlich als Feld-, Wald- und Wiesen-Zionist (Heiterkeit) —, ich sage, die Zionistische Vereinigung von Deutschland in ihrer Leitung ist nach meiner Kenntnis der Dinge durchaus bereit, den gemeinsamen Kampf in Deutschland zu kämpfen, in dem Sinne, daß wir uns in keiner Weise in unseren staatsbürgerlichen Rechten eine Zurücksetzung gefallen lassen wollen. Wir haben also eine weite Strecke Weges, auf der wir gemeinsam kämpfen, kämpfen müssen und kämpfen können. Denn es wird uns natürlich niemals gleichgültig sein, wie das Geschick der deutschen Juden sich gestaltet, da wir nun doch deutsche Juden sind. Aber, meine Herren, die Resolution mag ja von vielen als sehr milde angesehen werden (Zuruf: Sehr!), mir gefällt sie nicht. Ich habe sie auch erst im Augen-

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