Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 221 (sequence 8)
- Language
- German
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Centralverein und Zionismus. 221 Zionisten für das Judentum heraufbeschwören, wenn sie den nationalen Gedanken übertreiben. Woher erklärt sich denn die Abneigung so vieler Rabbiner gegen die Zionisten? Daraus, daß sie fürchten, hier kann der religiöse Gedanke Abbruch leiden auf Grund des nationalen. (Bravo!) Der religiöse Gedanke, meine Herren! Als in Kattowitz das Wort fiel, im „Israelit" hätte gestanden, ein Zionist könne Zionist sein, auch wenn er sich taufen ließe, da ist ein Schrei der Entrüstung durch die Zionisten gegangen. Das ist eine infame Lüge, schrien zahllose Zionisten; niemals sei von einem Zionisten so etwas gesagt. Meine Damen und Herren! Es mag sein, daß ein solches Wort nicht gesagt ist, aber es hätte gesagt werden können. (Sehr richtig!) Denn wenn des Judentum rein national ist, wenn ich selbst von einem zionistischen Führer auf der konstituierenden Versammlung des Verbandes deutscher Juden gehört habe, er erkenne das Judentum als ein religiöses Band nicht an, der eine denke so über die Religion, der andere anders — meine Damen und Herren! — wenn das der Fall ist, dann kann sich in einem zionistischen Kopf auch der Gedanke malen, daß man sich auch taufen lassen könne, wenn man nur stolz der ganzen Welt sagt: Ich bin jüdisch-national. Also das ist die Gefahr der jüdisch-nationalen Idee für die Sache des Judentums, daß sie dem religiösen Gedanken Abbruch tut, und daß sie die seelischen Werte des Judentums nicht in das Schriftwerk und in die Schrift legt, sondern in eine flüchtige Erdenerscheinung, in die Erscheinung der Zeit, da das Judentum ein Volk, eine Nation gewesen ist. Was die Zionisten uns zum Vorwurf machen, trifft auch sie: Sie sagen, wir seien deutsche Chauvinisten, aber sie verkörpern die chauvinistisch-nationale Idee noch viel schlimmer. Mit dem Juden, der sich lediglich als nationaler Jude fühlt, für den das Judentum weiter nichts als Nation ist, der sich national nicht als Deutscher fühlt, der nur staatsbürgerlich seine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit tut, Militärdienst leistet, Steuern zahlt, mit dem können wir keine Gemeinschaft haben. (Bravo!) Wenn vr. Moses sagt, wir sollten jetzt Stellung nehmen dazu, ob wir die jüdisch-nationalen Anschauungen dulden wollen bei uns oder ob wir sie ausweisen wollen, so sage ich: Die jüdisch-nationale Anschauung lasse ich im Centralverein zu, wenn sie gepaart ist mit deutsch-nationaler Anschauung, wenn das Jüdisch-Nationale weiter nichts als ein Schlagwort für den Ausdruck der historischen Gemeinschaft, die uns durch Jahrhunderte, durch Jahrtausende Zusammengeführt hat, wenn sie nur das ist, wie Oppenheimer es nennt, die Treue am Vergangenen, die t a m m e s g e m e i n schuft. Wer deutsch-national fühlt und daneben noch jüdisches Stammesgefühl hat, der, meine ich, sollte mit uns gehen und bei uns bleiben. Wer sich national nur als Jude fühlt, national nicht als Deutscher fühlt, wer sagt, unsere Heimat, unsere Zukunft ist Palästina, wir gehören nach Palästina mit unserm Herzen, mit unserm Geist, der kann bei uns nicht sein, weil seine Auffassung durch eine begriffliche Kluft getrennt ist von dem satzungsmäßigen Zweck und Wesen des Centralvereins. (Sehr richtig!) Herr Di. Moses kann un§ nicht sagen, daß wir es den Antisemiten gleichtun, wenn wir diese Männer aus unseren Reihen weisen; denn nicht wir weisen sie aus, sondern sie trennen sich von dem, was uns in dem Centralverein deutscher Staatsbürger vereint. Der Verein will die Staatsbürger einen, für die deutsch die Nationalität, jüdisch die Glaubensgemeinschaft, das Bekenntnis ist. Dabei kommt es nicht auf Gläubigkeit, nicht darauf an, ob der einzelne Jude orthodox oder liberal ist, ob er festhätt an den Geboten oder nicht, ob er vielleicht sogar sagt: ich