Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 219 (sequence 6)
- Language
- German
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Eentralverein und Zionismus. 219 ohne Stolz und ohne Aeberhebung von uns sagen, wenigstens bemühen wir uns, es zu sein. Die ganze Art, wie wir im letzten Jahrzehnt, noch ehe die zionistische Bewegung an Amfang zugenommen hat (sehr richtig!), zur Laufe der Eltern und der Kinder Stellung genommen haben, wie wir im jüdischen Leben uns betätigt, den Verband der deutschen Juden begründet haben, ist Zeugnis dafür. (Sehr richtig!) Aber schwierig ist die Auseinandersetzung auch um deswillen, weil auf der zionistischen Seite das Programm schillert und nuanciert und kaum zu fassen ist. (Sehr richtig!) Die Begriffe Iudenstaat und öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte, Zionismus, Rationaljndentnm und eine Reihe anderer Schlagworte haben in den Worten eines jeden zionistischen Führers fast ein anderes Gesicht. Ich hatte, als ich zur Aussprache mit den zionistischen Führern kam, die Meinung gehabt, die maßgebende Auffassung der Zionisten sei die, daß man ein doppeltes Rationalbewußtsein haben könne und daß vom zionistischen Standpunkt aus die deutschen Juden deutsch-national und jüdisch-national zugleich seien. So hatte ich die zionistischen Führer und die zionistische Literatur verstanden, und ich hatte mir das dahin übersetzt, daß so, wie der Schweizer zugleich Schweizer und Deutscher oder Schweizer und Franzose oder Schweizer und Italiener, der Oesterreicher zugleich Oesterreicher und Böhme, Oesterreicher und Kroat, der Amerikaner zugleich Amerikaner und Deutscher sein könne, man auch ein doppeltes Rationalbewußtsein als Jude und Deutscher nach zionistischer Auffassung habe. Damals ist mir von den Sprechern erklärt worden: Rein, das ist gar nicht der Fall, für uns ist Deutsch nur ein staatsbürgerlicher Gedanke, wir sind jüdisch-national und ausschließlich jüdisch-national; Deutsch sind wir nur als Staatsbürger. Dementsprechend habe ich meine Auffassung vom Zionismus revidiert, und zu dieser Auffassung müssen wir Stellung nehmen. Wer von sich sagt, daß er deutschnational und jüdisch-national ist, mit dem wird unsere Auseinandersetzung sehr leicht sein. Rach meiner Auffassung liegt dann nur ein Streit um Vokabeln vor. „Jüdisch-national" ist dann nur eine Vokabel, ein inkorrekter Ausdruck für ein historisches Stammesbewußtsein, nicht für ein gegenwärtiges Rationalöewußtsein. Es gibt kein schwierigeres Problem, als den Begriff der Ration, des Volkes, der Rasse zu erfassen. Ich glaube, daß kaum zwei Gelehrte darüber einer Meinung sind. Ich habe Oppenheimers und Anderer Ausführungen gelesen und versucht, mir ein Bild der Ration, des Volkes, des Stammes, der Rasse zu machen. Aber ich kann sagen: igaorablinuL, nicht nur von mir: ignorabo. In all solchen problematischen Dingen pflege ich meinem eignen Empfinden zu folgen und aus meiner eigenen Individualität die Dinge mir zu erklären. And da sage ich mir: Der Begriff der Ration und der Begriff des Volkes, die ich einmal identifizieren will, hat zwei verschiedene Momente, ein objektives und ein subjektives. Die objektiven Momente kann ich mir nicht selber geben, die gibt mir Geburt, Klima und Erziehung. Das subjektive Moment gebe ich mir selber, das ist mein Wille. Wenn ein Franzose nach Deutschland kommt, so wird sein Wille ihn natürlich nicht in Lagen, nicht in Wochen, auch nicht in Jahren zum Deutschen machen. Wenn meine Vorfahren aber Jahrzehnte und Jahrhunderte auf deutschem Boden gelebt haben, sich beteiligt haben an deutscher Kultur und an deutscher Literatur, wenn wir die deutschen Geistesheroen in uns ausgenommen, in deutsche Schulen gegangen sind, wenn unsere Väter auf deutschen Schlachtfeldern gekämpft haben, unsere Eltern und Voreltern deutscher Staub geworden sind, daun ist die Frage, ob ich deutsch bin, schließlich im letzten Grunde davon abhängig,