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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 218

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Vortrag des Herrn Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin
Date
1913-05-01
Page
218 (sequence 5)
Language
German
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218 Im deutschen Reich. daß es unmöglich so weitergehen könne, daß in der Versammlung des einen Vereins die Führer des andern Propagandareden für sich halten und daß die Gegner die eigenen Gastgeber nicht zu Worte kommen lassen. Es war mir der Artikel aus der Seele gesprochen, den Herr Dr. Moses aus Mannheim damals veröffentlicht hat, als er sagte: Es dürfte bei gutem Willen auf beiden Seiten nicht schwer fallen, eine ohne Satzung und Treuschwur zusammengehalt ene Liga von Männern zu finden, die den Ausschreitungen in den jüdischen Kleinkämpfen ein Gegengewicht setzt und die, ohne etwa den Versuch zu machen, weitklaffende sachliche Anschauungen überbrücken zu wollen, dem guten Ton, der allein unserer jüdischen Stellung würdig ist, Eingang in unsere Verhandlungen verschafft. Meine Freunde im Vorstand Haben damals mit mir die Auffassung gehabt, daß, ehe wir eine öffenrNche Auseinandersetzung hier in der Hauptversammlung vor den Delegierten vornehmen, wir doch versuchen müssen, die Brücken zu legen, die zu unseren Brüdern im zionistischen Lager führen, und daß wir suchen müssen, einen Noäus vivendi, einen Ausgleich zu finden. Wir sind einig darüber gewesen, daß in der Lat im jüdischen Kleinkampf alles Verhetzende wegfallen soll, daß wir nicht vergessen sollen, daß wir alle einer gemeinsamen heiligen Sache dienen, und das, was uns trennt, nur die verschiedene Auffassung ist, die wir über die Begriffe „jüdisch-national^ und „deutsch-national" haben. Deshalb wollen wir jetzt hier die Aufklärung schaffen, und ich hoffe, daß die Auseinandersetzung, wenn sie versöhnlich von beiden Seiten betrieben wird, nicht zu einem unseligen Ende führen wird. II. Die Klärung ist schwierig, weit die Dinge im Flusse sind. Ich will nicht sagen, daß die Zionisten allein sich gewandelt haben. Auch wir haben im Centralverein in den 20 Jahren unseres Bestehens eine Wandlung durchgemacht. Wir haben als formeller Abwehrverein begonnen, und je mehr wir Abwehr geübt haben, um so mehr sind wir dessen inne geworden, daß formelle Abwehr allein sich nicht üben läßt, ohne Kenntnis, ohne Stolz,- ohne Treue, daß man das Judentum nicht bloß dadurch heben soll, daß ein paar Menschen Korpsstudenten und Reserveoffiziere und Landräte werden — das Leben ist auch ohne dies lesenswert —, sondern daß wir Mitarbeiten wollen an einer Renaissance des Judentums. (Lebhafter Beifall.) Das Wort A s s i m i l a n t e ntu m ist ein Schlagwort geworden, das wir klären müssen. Wenn Assimilantentum heißt, die Eierschalen des Ghettos abwerfen, brechen mit dem, was abgestorben und abgelebt ist, brechen mit Kaftan und Stirnlocke, so Wird niemand gegen ein solches Assimilantentum etwas einzuwenden haben. Wenn Assimilantentum aber heißt, mit geheiligtem Brauch des Vaterhauses brechen, die Erscheinungen jüdischen Geistes und jüdischen Herzens, jüdischen Gemüts und jüdischen Familiensinns aufgeben, wenn es heißt, das eine preisgeben und das andere annehmen, nicht weil es das Bessere, sondern weil es das Andere ist, so wird j^>er dies Assimilantentum bis in den Grund seiner Seele verabscheuen. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen auf deutschem Boden, an deutscher Kultur Mitarbeiten. (Bravo!) und treu bleiben dem, was wir aus jüdischem Hause, aus jahrhundertelanger, jahrtausendelanger jüdischer Geschichte als berechtigte Eigenart unseres Stammes mitbekommen haben. (Bravo!) Ich sage, es ist schwer, die Abscheidung und die Auseinandersetzung zu finden, wei ldie Dinge sich gewandelt haben. Wir srnd innerlicher, positiver, jüdischer geworden (Bravo!), das kann ich

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