Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 19 (1913)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1913)
- Article
- Vortrag des Herrn Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Berlin
- Date
- 1913-05-01
- Page
- 216 (sequence 3)
- Language
- German
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216 Im deutschen Reich. vor der . entscheidenden Versammlung der Wahlmänner nicht darüber informiert, wann diese Versammlung stattfinden würde. Doch wir wollen dem Lentralverein diese kleinen Sünden nicht weiter verübeln, für die sich der Vorstand in der Generalversammlung Absolution erteilen lassen mag. Schwerer, allzu schwer wiegt die große Sünde, die dieser Verein fortgesetzt begeht, indem er die Leb ensint er essen des Judentums einer verstaubten Theorie zuliebe gefährdet. Für den rechtschaffenen Centralvereinler gibt es ja keine Iudenfrage und kein jüdisches Volkstum, keine universale jüdische Solidarität und keine jüdische Zukunft." Es ist dann weiter gesagt worden unter der Ileberschrift „D er bankerott des L ent r a lv er e i n §* in der „I ü d i s chen Rundschau" vom 11. Oktober 1912 mit Rücksicht auf dre Erklärung, die der Vorstand in der Mugdanaffäre veröffentlicht hat: „So wenig Einfluß hat also die erzieherische Arbeit des Centralvereins auf die Juden jenes Wahlkreises gehabt . . . Diese erste große Probe auf die Disziplin seiner Anhänger mußte dem Verein mißglücken, da er seine Mitglieder nicht durch positiv jüdische Werte oder auch nur durch eine einigende Idee an sich zu fesseln verstanden hat. Lange Zeit hat man bis weit hinein in die Kreise, die uns nahestehen, geglaubt, daß die jüdischen Interessen innerhalb der deutschen Politik im Lentralverein ihre berufene Vertretung fänden. Jetzt hat es sich deutlich gezeigt, wie falsch die Politik der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens orientiert ist; und wer aus den Geschehnissen des Tages zu lernen vermag, der wird die Folgerungen ziehen müssen, damit weiterem Schad en vorgeb engt werde." InderIüdischenRundschau vom 29. Aovember 1912 lesen wir aus Gnesen, daß dort eine Lentralvereins-Versammlung zwecks Gründung einer Ortsgruppe stattgefunden habe, und daß es den glänzenden Ausführungen des zionistischen Redners — irre ich nicht, so ist er selbst unser Mitglied — gelungen sei, einen völlig negativen Erfolg der Propagandaversammlung des Centralvereins herbeizuführen; Beitrittserklärungen und Gründung einer besonderen Ortsgruppe fanden nicht statt. Daß sie eine Propagandaversammlung des Lentralvereins zum Mißerfolge geführt haben, dessen haben sich zionische Wortführer gerühmt. Das bitte ich Sie, sich gegenwärtig zu halten, wenn man die Frage aufwirst, von wem die Initiative zur Erregung und zu Feirchseligkeiten ausgegangen ist. Ich kann sagen, daß sie von der Leitung des Centralvereins nicht ausgegangen ist. Unsere Parole ist immer gewesen, Feindseligkeiten zu vermeiden, dem Zwist und der Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen, es nicht zum Bruderkrieg kommen zu lassen. Wir haben daran festgehalten, daß wir für eine gemeinsame, h e i l i g e S a ch e kämpfen, und daß es töricht wäre, wenn wir nicht eine lange Strecke Weges miteinander sollten gemeinsam gehen können. (Bravo!) Angefangen hat die Erbitterung, als Sombart in die Welt der Erscheinungen trat. Gegen ihn mußten wir Stellung nehmen (sehr richtig!), nicht, weil er Zionist ist, aber weil ihm von den Zionisten zugejubelt worden ist, und weil wir die Zionisten auf ihren jüdischen Stolz und ihr jüdisches Selbstbewußtsein haben zurückbringen wollen, als sie Herrn Sombart zugejubelt haben. (Sehr richtig!) Ich will nicht sagen, daß ihm nur Zionisten zugejubelt haben, es hat Wohl auch einzelne kurzsichtige Centralvereinsmitglieder gegeben (Zuruf: Leider!), die ihn nicht verstanden und ihm zugejubelt haben. Aber