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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 212

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Vortrag des Herrn Professor Dr. Falkenheim, Königsberg
Date
1913-05-01
Page
212 (sequence 12)
Language
German
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212 Im deutschen Reich. Die Zionisten behaupten, daß sie durch ihre national-jüdische Orientierung int patriotischen Empfinden für Deutschland nicht beeinträchtigt würden. Daß sie davon überzeugt sind, hat man fein Recht anzuzweifeln. Aber es kommt darauf an, was man unter Patriotismus versteht. Die Auffassungen sind darüber verschieden. RichL jeder wird sich den Ausführungen Kollenschers in seiner von der zionistischen Vereinigung für Deutschland herausgegebenen Schrift „Zionismus und Staatsbürgertum" anschließen wollen, die die Vaterlandsliebe, in dep in allererster Reihe doch der ganze Idealismus, dessen ein Mensch fähig ist, dem Staate gegenüber zur Wirkung gelangen soll, im wesentlichen sozial bedingt erscheinen lassen. Je größer die Vorteile, die der Staat bietet, um so größer der Patriotismus. Ein kühl die dem Wirtsstaat gegenüber bestehende Schuld abwägender und sie begleichender, verstandesmäßiger Patriotismus mag wohl mit dem Zionismus vereinbar sein, ob aber eine rückhaltlose Hingabe des ganzen Ichs an Deutschland? „Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen." Wohin wenden sich dabei die Empfindungen eines Menschen, der mit inbrünstiger Sehnsucht an Zion hängt und Deutschland nur als Wirtsland betrachtet? Wie weit die Liebe zu Zion geht, zeigt die Aeußerung des Rabbiners Joseph, daß er und seine Gesinnungsgenossen freudig auf alle Emanzipation verzichten würden, wenn dadurch die nationale Wiedergeburt im heiligen Lande ausgeschlossen würde. Wie and ers Gabriel Rieß er! Der Zionismus vermag bei seinen Anhängern viel durchzusetzen, ob aber sein Einfluß so weit geht, daß Deutschlandgegenüber, in dem man ja nur zu vorübergehendem Aufenthalt, als Gast im fremden Wirtsvolk, weilt, die Leistung in Patriotismus, dem guten Willen zum Patriotismus entsprechen, ist nicht außer allem Zweifel, zum wenigsten nicht bei den an Intelligenz und Verantwortlichkeitsgefühl weniger hochstehenden, von Agitatoren aufgepeitschten breiten Massen. Daß die deutsche Gesinnung durch den Zionismus eine Stärkung erfährt, dürfte nicht behauptet werden können. Zwischen den Zionisten und dem Eentralverein kriselt es schon geraume Zeit. So berichtet die „Welt" aus Posen, daß in einer Versammlung am 23. Juni 1908 das Zusammenarbeiten mit den übrigen jüdischen Organisationen Deutschlands als wünschenswert bezeichnet sei. „Ausgeschlossen sei der Eentralverein, dessen Programm in einigen Punkten unseren Anschauungen durchaus widerstrebt." Die zionistische Ortsgruppe von Hamburg-AlLona faßte Juni 1908 die Resolution: „Die zionistische Ortsgruppe von Hamburg-Altona ist der Meinung, daß der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens seinem Programm nach nicht zu den Organisationen gehört, deren Förderung im Interesse des Zionismus liegt. Der Eintritt in den Verein kann so lange nicht empfohlen werden, bis nicht aus dem Programm des Eentralvereins die Punkte entfernt werden, die mit den Prinzipien des Rationalismus unvereinbar sind." (Hört, hört.) Die Anfeindungen häuften sich. Centralvereinsversammlungen wurden durch die Zionisten gestört, es kam auch an anderen Orten, so in Kattowitz, zu Zusammenstößen. Der Ton auf seiten der Zionisten ließ an Vornehmheit viel, viel zu wünschen übrig, so daß Moses in Mannheim im „Israelitischen Familienblatt" vom 12. Dezember 1912 aufforderte, dem guten Ton, der allein unserer jüdischen Stellung würdig sei, Eingang in unsere Verhandlungen zu schaffen. In einer Friedenskonferenz zwischen Vertretern des Eentralvereins und der zionistischen Vereinigung, die der Beseitigung unnötiger Schärfen dienen sollte, wurde von zionistischer Seite festgestellt, daß man zwar in bezug auf die Erfüllung der

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