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Im deutschen Reich · 1913-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1913) · p. 213

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
19 (1913)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1913)
Article
Vortrag des Herrn Professor Dr. Falkenheim, Königsberg
Date
1913-05-01
Page
213 (sequence 13)
Language
German
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Centralverein und Zionismus. 213 vaterländischen Pflichten durchaus loyal sei, und in gewisser Beziehung auch Patriotismus habe, es sei aber undenkbar für einen Zionisten, gleichzeitig deutsch-national und jüdisch-national zu sein. Im Gegensatz zum früheren Nationalstaat sei der jetzige ein Rechtsstaat, die Notwendigkeit einer nationalen Zugehörigkeit zum Begriffe eines vollwertigen Staatsbürgers erübrige sich daher. Die Verhältnisse haben sich immer mehr zugespitzt und drangen zur Entscheidung. In dem Leitartikel der neuesten Nummer der Jüdischen Rundschau, der der Generalversammlung des Centralvereins gewidmet ist, wird Klarheit gefordert. „Entweder nimmt man die der Generalversammlung von mehreren Ortsgruppen unterbreiteten Anträge, wonach die jüdisch-nationale Anschauung, wie sie der Zionismus propagiert, unvereinbar sei mit der Zugehörigkeit zu dem Centralverein, an und zwingt uns dadurch zum Austritt oder man verbietet den offiziellen Rednern des Centralvereins fortan die Angriffe gegen den Zionismus und ermöglicht uns dadurch die weitere Mitarbeit." Für den ersteren Fall wird dem Centralverein von dem Augenblicke, wo er jüdische Staatsbürger wegen ihrer Gesinnung aus seinen Reihen ausscheidet, das Recht abgesprochen, fernerhin gegen „die Zurücksetzungen und Beschränkungen, welche deutsche Staatsbürger wegen ihrer jüdischen Zugehörigkeit erleiden, Front zu machen." Man imputiert dem Centralverein als Grund für seine eventuelle Stellungnahme den Mißmut über die ungeahnten Erfolge des Zionismus und setzt gleichzeitig voraus, daß natürlich der Außenwelt gegenüber, zur „bewährten patriotischen Phrase" gegriffen werden würde. Es sei genug. Das Thema ist keineswegs erschöpft. Mehr zu bringen war mir nicht möglich, unddoch habe ich Ihre Geduld schon zu lange in Anspruch genommen. Ich resümiere: Gegen die charitative Tätigkeit des Zionismus sind Einwendungen nicht zu erheben. Hinsichtlich der politischen Tätigkeit gilt gleiches nicht. Der Centralverein kämpft für die staatsbürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung. Der Zionismus erschwert diesen Kampf, indem er dem Antisemitismus Vorschub leistet. Der Centralverein will seine Mitglieder in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung bestärken. Der Zionismus mindert zum wenigsten durch die radikale Art seiner Agitation die deutsche Gesinnung und befindet sich durch die Auffassung, daß die deutschen Juden nur Gäste im fremden Wirtsvolk seien, durch seine Bestrebungen, sie zu türkischen Staatsbürgern zu machen, mit den Anschauungen und Bestrebungen des Centralvereins in Widerspruch. (Bravo!) Die Behauptung des Zionismus, daß er allein der berechtigte Vertreter eines aufrechten, selbstbewußten Judentums sei, entspricht nicht den Tatsachen. Wcks ich Ihnen vorgetragen, und, wie ich hoffe, ohne den Boden der Sachlichkeit zu verlassen, wird hoffentlich genügen. Sie zu einer Entscheidung kommen zu lassen, von der ich wünsche — sie möge ausfallen wie sie wolle —, daß sie für unfern Verein, für die deutsche Iudenheit, unser deutsches Vaterland von Segen sei. Von meinem Standpunkte aus habe ich Ihnen die Resolution zu empfehlen, die Ihnen nachher unterbreitet werden wird. (Stürmischer Beifall!)

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